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Neue Therapieform für Divertikelkrankheit

So lässt sich die symptomatische unkomplizierte Divertikelkrankheit (SUD) behandeln

Etwa zwei Drittel der älteren Bevölkerung entwickeln eine Divertikulose. Zum überwiegenden Teil bleibt diese asymptomatisch, doch in etwa 20% der Fälle kommt es zu persistierenden Beschwerden, wobei die Mehrzahl der Patienten einen symptomatischen unkomplizierten Krankheitsverlauf entwickelt. Seit November 2017 steht mit Innovall® SUD nun erstmals ein mikrobiologisches Präparat zur Verfügung, das nachweislich eine Remission bei einer symptomatischen unkomplizierten Divertikelkrankheit aufrechterhalten kann. 

Symptomatische unkomplizierte Divertikelkrankheit geht mit Dysbiose des Mikrobioms einher

Die v.a. altersbedingte Schwächung des Bindegewebes und der Muskulatur um die Kolonwand herum kann zu Ausstülpungen der Mukosa und Submukosa entlang intramuraler Blutgefäße, führen.1 Die Divertikel bilden sich vermutlich aufgrund von hohem intraluminalem Druck, etwa durch Verstopfung und harten Stuhlgang. Die Pathogenese der symptomatischen unkomplizierten Divertikelkrankheit wird als multifaktoriell angesehen, wobei neben strukturellen Fehlbildungen auch Veränderungen in der enterischen Signalübertragung in der Darmwand von Divertikelträgern im Fokus stehen.2 Ausgehend von der Stase und einer Veränderung der Mikrobiota in und um die Divertikel herum, führt dies zu einem deutlich erhöhten Schmerzempfinden (Viszerale Hypersensitivität) und zu Motilitätsstörungen.3 

Untersuchungen bei Patienten mit erstmaliger symptomatischer Divertikulitis haben gezeigt, dass es Unterschiede in der Diversität einzelner Bakterienstämme im Vergleich zu Gesunden gibt. Während sich die Diversität innerhalb der mengenmäßig wichtigsten Stämme Bacteroidetes und Firmicutes nicht verändert, gibt es signifikante Abweichungen bei den Proteobacteria. Patienten mit Divertikulitis zeigen hier eine größere Diversität.4 Über diese Veränderungen hinaus kommt es bei der symptomatischen Divertikelkrankheit zu chronischen, mikroskopischen Entzündungen, weiteren Verdauungsstörungen und Blähungen.2 

Laut S2k-Leitlinie zur Divertikelkrankheit werden persistierende oder rezidivierende Symptome ohne Vorliegen einer apparenten Divertikulitis als symptomatische unkomplizierte Divertikelkrankheit (SUD) bezeichnet.1 Trotz ähnlicher Symptomatik ist die symptomatische unkomplizierte Divertikelkrankheit klar vom Reizdarmsyndrom zu unterscheiden und ein eigenständiges Krankheitsbild. Zur Behandlung der SUD gibt es bislang nur wenig Evidenz, und aufgrund der Häufigkeit und Bedeutung dieses Krankheitsbildes wurden von der Leitlinienkommission bereits im Jahr 2013 prospektive placebo-kontrollierte Studien mit Endpunkten zur Wirksamkeit gefordert.1 

Mikrobiologisches Präparat wirkt remissionserhaltend

Mit Innovall® SUD steht seit November 2017 nun eine neue evidenzbasierte Therapieoption in Form eines mikrobiologischen Präparats zur Verfügung. Die Wirksamkeit zum Remissionserhalt bei symptomatischer unkomplizierter Divertikelkrankheit wurde in einer randomisierten, doppelblinden, placebo-kontrollierten Studie gezeigt. Die Wirkung wurde an Patienten mit endoskopisch nachgewiesener SUD untersucht, die sich in den letzten 4 Wochen vor Studieneintritt in Remission befanden. Studienziel war der Erhalt der Remissionsphase mit Mesalazin und/oder Innovall® SUD in einem Beobachtungszeitraum von 12 Monaten.3 
Als Ergebnis zeigte sich, dass sowohl die Behandlung mit den beiden Einzelsubstanzen, im Besonderen aber die Kombination aus beiden, der Placebo-Therapie signifikant überlegen war. In der Gruppe, die mit der Kombination aus Mesalazin und Innovall® SUD behandelt wurde, erlitt innerhalb eines Jahres kein einziger Patient ein Rezidiv (Abb.1).3 

Methodik der Studie von Tursi et al. 

  • Studiendesign: randomisiert, placebo-kontrolliert, doppelblind, multizentrisch 
  • Patienten: 210 Patienten mit symptomatischer, unkomplizierter Divertikelkrnakheit (asymptomatisch bei Studieneinschluss, jedoch mit spezifischen SUD-Symptomen innerhalb 4 Wochen vor Studieneintritt). 
  • Zeitraum: 12 Monate, Intervallbehandlung an 10 Tagen/Monat 
  • Behandlungsgruppen: 1,6 g Mesalazin/Tag + Innovall® SUD mit 24 Mrd. CFU Lactobacillus casei DG®, Mesalazin + Placebo, Placebo + Innovall® SUD, Placebo + Placebo  

Primärer Endpunkt: Anteil der Patienten mit symptomatischer Remission, definiert als normaler Stuhlgang ohne Blutungen.  

Innovall® SUD reguliert die subklinische Entzündung im Kolon

Innovall® SUD beinhaltet den Bakterienstamm Lactobacillus casei DG® in einer Konzentration von 24 Milliarden vermehrungsfähigen Keimen pro Kapsel. Der Bakterienstamm L. casei DG® ist in der Lage, sowohl Magensäure als auch Gallensalzen zu widerstehen und nach oraler Verabreichung das Kolon zu besiedeln.3,5 Auch zwei Wochen nach Absetzen einer Behandlung ist er noch im GI-Trakt nachweisbar, was wichtig ist, um mit zyklischer Gabe eine ausreichende Compliance erzielen zu können.3 

L. casei DG® fördert die Homöostase des Mikrobioms durch die Produktion von Bakteriozinen, wodurch es zu einer vermehrten Ansiedlung von physiologischen Bakterien und einer Hemmung der Ausbreitung von pathogenen Keimen (z.B. Enterobacteriaceae) kommt.6 Weiterhin ist bekannt, dass L. casei DG® spezifische immunstimulierende Oberflächenpolysaccharide besitzt, die das Immunsystem in Abwesenheit einer entzündlichen Reaktion anregen. Dies führt zu einer effizienteren und schnelleren Immunantwort gegen potentielle Infektionserreger.7 Weiterhin konnte gezeigt werden, dass L. casei DG® antientzündlich wirkt, indem in seiner Anwesenheit entzündungsfördernde Signalwege herabreguliert und gleichzeitig antiinflammatorische Zytokine vermehrt gebildet werden.5,8 
Die Ausschüttung von Stickstoffmonoxid durch enterische Gliazellen kann durch L. casei DG® auf Normalwerte gesenkt werden, was einerseits wiederum die entzündungshemmende Immunabwehr und zum anderen die normale Darmmotilität fördert.9,10 

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