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Reizdarmsyndrom :

Komplexe Erkrankung wird zunehmend besser verstanden

Trotz der Häufigkeit des Reizdarmsyndroms sind die Mechanismen seiner Entstehung nicht abschließend geklärt und kurative Therapien sind bislang nicht verfügbar. Allerdings haben Erkenntnisse der vergangenen Jahre vermehrt das Bild einer subklinischen intestinalen Entzündung geprägt, wodurch sich neue Ansätze für Therapien ergeben. 

Zahlreiche Pathomechanismen, aber individuelles Muster

Die kausalen Zusammenhänge, die zur Entstehung eines Reizdarmsyndroms führen, sind bislang nicht abschließend geklärt, und es existieren derzeit keine für Reizdarm spezifischen Biomarker.1 Fakt ist, dass das Reizdarmsyndrom keine reine psychosomatische Störung ist, denn es sind mehrere Pathomechanismen beschrieben, die multifaktoriell, aber individuell unterschiedlich ausgeprägt zum Beschwerdebild beitragen. Interessanterweise kommen ähnliche Störungen auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) vor. Folgende Pathomechanismen sind bislang beschrieben:1,2 

  • Qualitativ und quantitativ veränderte intestinale Mikrobiota (Dysbiose) 
  • Gestörte Barrierefunktion im Darm 
  • Mukosale Immunaktivierung 
  • Störung der Dünndarm- und Dickdarmmotilität 
  • Entleerungsstörungen 
  • gesteigerte viszeraler Hypersensitivität (Störung des enterischen Nervensystems) 

So kommt es zur Entstehung der Reizdarm-typischen Symptome

Durch Pathogene verursachte Infektionen oder auch andere Noxen (z.B. Medikamente, Operationen) bewirken eine veränderte Permeabilität der Darmschleimhaut. Dies kann direkt geschehen oder durch die Beeinflussung der intestinalen Mikrobiota.1 Es zeigte sich, dass bei Reizdarmpatienten die gastrointestinale Mikrobiota ein verändertes Mengenverhältnis unterschiedlicher Bakterienstämme im Vergleich zu Gesunden aufweist (Dysbiose).1,2 Dies wird mit Symptomen wie Blähungen, Schmerzen und Diarrhö in Verbindung gebracht.2 

Durch die erhöhte Permeabilität der Darmschleimhaut dringen wiederum vermehrt Noxen ein, was zur Immun- und zur Mastzellaktivierung führt. Dies setzt Mediatoren frei, die eine Aktivierung der Neurone des enterischen Nervensystems bewirken. Die neuronale Überaktivierung ist es schließlich, die die Störungen von Motilität, Sekretion und Perzeption auslöst und somit die häufig wechselnde Symptomatik des Reizdarmsyndroms verursacht.1 

Welche Verbindungen gibt es zwischen Reizdarm und CED?

In der Pathogenese des Reizdarmsyndroms und von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen scheinen ähnliche Mechanismen eine Rolle zu spielen. Hierzu gehören beispielsweise die Veränderungen des Mikrobioms, die veränderte Schleimhautpermeabilität und die Freisetzung von Entzündungsmediatoren.1 Daher könnten sich auch Parallelen in den Behandlungsansätzen von Reizdarmsyndrom und CED ergeben. Die Leitlinie zu Colitis ulcerosa schlägt eine Behandlung im Rahmen eines Stufenschemas vor, wobei die erste Stufe für milde Formen der Colitis eine Therapie mit Mesalazin und/oder Microbiotica vorsieht.3 Auch die Leitlinie zum Reizdarmsyndrom empfiehlt ausgewählte Microbiotica, wobei die Wahl des Stammes nach der vorherrschenden Symptomatik und der klinischen Datenlage erfolgt.1 In der Leitlinie erwähnte Stämme sind: Bifidobacterium animalis ssp. lactis DN-173010, Lactobacillus casei Shirota, E. coli Nissle 1917, Lactobacillus rhamnosus GG und Lactobacillus plantarum 299v (Innovall® RDS). 

Bei den erhältlichen mikrobiologischen Präparaten hat Innovall® RDS mit dem mikrobiologischen Bakterienstamm Lactobacillus plantarum 299v eine klinisch belegte Wirksamkeit bei allen Leitsymptomen des Reizdarmsyndroms.4 Durch die hohe Konzentration an aktiven Darmsymbionten stärkt es die Darmbarriere und das darmassoziierte Immunsystem, es reguliert die Dysbiose und wirkt somit nicht nur symptomorientiert, sondern setzt – anders als zum Beispiel eine rein symptomatische Behandlung der Diarrhö durch ein Antidiarrhoikum – an den pathophysiologischen Mechanismen an.

Exakte Definition des Reizdarmsyndroms nach wie vor schwierig

Historisch gesehen gibt es mehrere Klassifikationssysteme, die versucht haben, das Reizdarmsyndrom zu definieren und zu beschreiben. Als Beispiel hierfür seien die Kruis-Kriterien oder die Rom I-III-Kriterien genannt. Die Symptomatik ist jedoch unspezifisch und zeigt eine zeitliche Variabilität. Zudem überlappen die Symptome mit anderen organischen oder funktionellen Erkrankungen. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) merkt daher an, dass die genannten Kriterien die klinische Realität nicht ausreichend abbilden und definiert das Reizdarmsyndrom eher weit gefasst mittels einer Ausschlussdiagnose (siehe Infobox).1

Definition des Reizdarmsyndroms nach der DGVS 

  1. Chronisch anhaltende Darmbeschwerden wie Bauchschmerzen und Blähungen, die auf den Darm bezogen werden und in der Regel mit Stuhlgangsveränderungen einhergehen. 
  2. Durch die Beschwerden ergibt sich eine relevante Einschränkung der Lebensqualität aufgrund derer der Patient Hilfe sucht. 
  3. Andere Ursachen für die Beschwerden müssen ausgeschlossen werden. 
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