Microbiotica und Weber&Weber informieren

Auf dieser Seite finden Sie regelmäßige Updates und Informationen zum aktuellen Stand der Forschung.

Unterscheidung von Reizdarmsyndrom (RDS) und Divertikelkrankheit (SUD) leicht gemacht:

07.05.2024 // Lesezeit ca. 2-4 Minuten

Diagnostische Kriterien für eine gezielte Beratung und Behandlung

RDS und SUD sind in der Gastroenterologie weit verbreitete Erkrankungen, die aufgrund ihrer ähnlichen Symptomatik häufig diagnostische Schwierigkeiten bereiten.

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Um eine effektive Behandlung sicherzustellen, ist es wesentlich, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser Erkrankungen zu kennen. Nachfolgend stellen wir Ihnen einfache Kriterien vor, die Ihnen helfen, diese Erkrankungen besser zu unterscheiden!

Funktionelle vs. strukturelle gastrointestinale Störungen

Reizdarmsyndrom (RDS): Das Reizdarmsyndrom, eine funktionelle Störung, betrifft schätzungsweise elf Millionen Menschen in Deutschland. Diese Erkrankung weist keine offenkundigen organischen Veränderungen auf. Typische Symptome sind chronische Schmerzen, Blähungen, Durchfall und Verstopfung. RDS wird oft als Diagnose festgelegt, nachdem andere mögliche Ursachen ausgeschlossen wurden.

Symptomatische unkomplizierte Divertikelkrankheit (SUD): Bei älteren Menschen sind Divertikel im Dickdarm häufig. Etwa ein Drittel der Personen über 60 Jahre weist diese kleinen Ausbuchtungen der Darmwand auf, in denen sich Stuhl sammeln kann. Im Gegensatz zum RDS weist die SUD sichtbare strukturelle Veränderungen auf, insbesondere durch die Bildung von Divertikeln. Typisch sind Durchfall und Verstopfung im Wechsel und chronische Schmerzen, die ohne akute Entzündung auftreten.

Die Diagnose ist komplex, da beide Zustände ähnliche Symptome haben können, sich aber in Behandlungsansätzen unterscheiden. Alters- und geschlechtsspezifische Merkmale allein sind oft nicht ausreichend.

Differenzierung dieser Erkrankungen durch weitere diagnostische Kriterien1

Schmerzcharakteristik:

  • RDS: Schmerzen sind oft diffus und kurzzeitig.
  • SUD: Schmerzen treten typischerweise im linken Unterbauch auf und sind langanhaltend.

Reaktion auf Stuhlgang:

  • RDS: Verbesserung der Symptome nach dem Stuhlgang ist üblich.
  • SUD: Keine Symptomverbesserung nach dem Stuhlgang.

Bedeutung des Mikrobioms in der Behandlung
Spezifische mikrobiologische Präparate, wie Innovall® RDS und Innovall® SUD, wurden auf Basis präklinischer und klinischer Studien entwickelt, um spezifische mikrobielle Dysbalancen und pathophysiologische Mechanismen zu adressieren.
Innovall® RDS nutzt den speziell ausgewählten Bakterienstamm Lactobacillus plantarum 299v, um das mikrobielle Ungleichgewicht im Darm zu korrigieren. Dieser Stamm wurde in umfangreicher Forschung und über 50 klinischen Studien validiert. Als natürlicher Bestandteil der menschlichen Darmflora wird er in hoher Konzentration verwendet, um effektiv sämtliche Symptome des Reizdarmsyndroms zu reduzieren.

Innovall® SUD enthält den spezifischen Bakterienstamm Lacticaseibacillus paracasei DG I1572, der die Ansiedlung gesundheitsfördernder Bakterien in der Darmschleimhaut fördert und das Wachstum pathogener Stämme hemmt.2 Weiterhin stimuliert L. casei DG I1572 das Immunsystem zur vermehrten Ausschüttung des antiinflammatorischen Zytokins IL-10 und normalisiert die Freisetzung des Entzündungsmarkers Stickstoffmonoxid (NO).3,4 Durch verschiedene Mechanismen (siehe Abbildung) dämpft Innovall® SUD die Entzündungsreaktion in der Darmschleimhaut, reduziert das Auftreten von Divertikulitis und verlängert beschwerdefreie Zeiträume.5

Einladung zum Webinar:

1 Scarpignato C et al. Management of colonic diverticular disease in the third millennium: Highlights from a symposium held during the United European Gastroenterology Week 2017. Therap Adv Gastroenterol. 2018; 11: 1756284818771305.
2 Zambori et al.J Infect Dev Ctries 2016;10(3):214-21
3 Otte et al. J Nutr Cancer 2009;61(11):103-13
4 Turco et al. United European Gastroenterol J 2017;5(5):715-24
5 Tursi A et al. Randomised clinical trial: mesalazine and/or probiotics in maintaining remission of symptomatic uncomplicated diverticular disease—a double-blind, randomised, placebo-controlled study. Aliment Pharmacol Ther. 2013 Oct;38(7):741-51.

Der Einfluss der Ernährung auf das Mikrobiom und die Darm-Hirn-Achse:

03.04.2024 // Lesezeit ca. 3-5 Minuten

Warum eine ausgewogene Ernährung wichtig ist!

Die Darm-Hirn-Achse ist ein bemerkenswertes Kommunikationssystem, das eine entscheidende Rolle bei der Regulation verschiedener Körperfunktionen spielt.

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Diese Achse ermöglicht eine bidirektionale Kommunikation zwischen dem Darm und dem Gehirn und beeinflusst nicht nur unsere Verdauung, sondern auch unsere Stimmung, unser Verhalten und sogar unsere kognitive Leistungsfähigkeit. Eine Schlüsselkomponente, die die Funktion dieser Achse maßgeblich beeinflusst, ist unsere Ernährung.

Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass eine ungesunde Ernährung, die reich an zuckerhaltigen, fettigen und verarbeiteten Lebensmitteln ist, die Darm-Hirn-Achse negativ beeinflussen kann (siehe Abbildung 1). Eine solche Ernährung kann zu einer Dysbiose im Darm führen, einem Zustand, bei dem das Gleichgewicht der Darmmikrobiota gestört ist. Eine Dysbiose kann Entzündungen im Darm verursachen, die mit einer Vielzahl von Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht werden, darunter Reizdarmsyndrom, Angstzustände, Depressionen und sogar neurodegenerative Erkrankungen.

Abbildung 1) Der Einfluss der Ernährung auf das Mikrobiom und die Darm-Hirn-Achse

Im Gegensatz dazu kann eine ausgewogene Ernährung, die reich an Ballaststoffen, probiotischen Lebensmitteln, Omega-3-Fettsäuren und Antioxidantien ist, die Darm-Hirn-Achse positiv beeinflussen. Ballaststoffe sind äußerst vorteilhaft für ein gesundes Mikrobiom, da sie als Nahrungsquelle für die nützlichen Bakterien dienen, die in unserem Darm leben. Wenn wir ballaststoffreiche Lebensmittel konsumieren, gelangen die unverdaulichen Bestandteile dieser Nahrung in den Dickdarm, wo sie von den Darmbakterien fermentiert werden. Während dieses Fermentationsprozesses produzieren die Bakterien kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, Propionat und Azetat. Diese kurzkettigen Fettsäuren sind nicht nur eine wichtige Energiequelle für die Zellen der Darmschleimhaut, sondern sie haben auch entzündungshemmende Eigenschaften und unterstützen die Integrität der Darmbarriere. Eine Untergruppe von Ballaststoffen sind die Präbiotika wie Inulin oder Oligofruktose. Sie können ebenfalls den schützenden Bakterienarten als Futter dienen und unterstützen so eine günstige Zusammensetzung der Mikrobiota. Präbiotika sind vor allem in Gemüse wie Chicorée, Schwarzwurzeln, Topinambur, Spargel, Lauch und Zwiebeln enthalten.

Neben Ballaststoffen können auch andere Nahrungsinhaltsstoffe das Darmmikrobiom positiv beeinflussen. Dazu zählen beispielsweise Polyphenole, eine Gruppe sekundärer Pflanzenstoffe, entzündungshemmende Omega-3-Fettsäuren und pflanzliches Protein. Auch fermentierte Milchprodukte wie Joghurt oder Kefir und fermentiertes Gemüse wie Sauerkraut unterstützen eine gesundheitsfördernde Darmmikrobiota.1

Gut untersucht ist inzwischen die Wirkung von Probiotika. Sie werden definiert als lebende Mikroorganismen, die einen positiven Effekt auf die Gesundheit ausüben, vorausgesetzt sie werden in ausreichender Menge aufgenommen. Unter anderem stärken sie die Darmbarriere, sorgen für ein besseres Darmmilieu und hemmen das Wachstum ungünstiger Bakterien.

Klar ist allerdings: Wer seinem Darm mit dem Essen oder auch mit Probiotika dauerhaft etwas Gutes tun möchte, benötigt ein wenig Durchhaltevermögen. Auf eine kurzfristige Umstellung des Essens reagieren die Darmbewohner zwar sehr schnell. Die Veränderung ist allerdings nicht von Dauer. Langfristige Änderungen können sich hingegen auf die Gene und die Stoffwechselaktivitäten der Mikrobiota auswirken.

Tipps für eine gesunde Darmmikrobiota:

  1. Ballaststoffreiche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte sollten möglichst bei jeder Mahlzeit auf dem Speiseplan stehen, um den Darmbakterien wichtige Nahrung zu liefern.
  2. Polyphenolreiche Lebensmittel wie buntes Gemüse, Obst, Kräuter und Gewürze sind nicht nur eine Freude für Augen und Gaumen, sondern unterstützen auch die Gesundheit des Darms.
  3. Es ist ratsam, Zusatzstoffe in Lebensmitteln, wie Emulgatoren und Süßstoffe, einen hohen Salzgehalt und andere Konservierungsmittel zu vermeiden, da diese die Darmgesundheit beeinträchtigen können.
  4. Hoch verarbeitete Lebensmittel und Transfettsäuren sind nicht förderlich für eine gesunde Bakterienkultur im Darm und sollten daher reduziert oder vermieden werden.
  5. Fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Kefir und Sauerkraut sind eine köstliche Bereicherung des Speiseplans und können dazu beitragen, die Vielfalt der Darmflora zu unterstützen, insbesondere bei gesunden Patienten.
  6. Bei Patienten mit bestimmten Beschwerden reicht Joghurt nicht aus, und es sollten speziell ausgewählte Probiotika eingesetzt werden, um das Mikrobiom zu unterstützen und eine Dysbiose auszugleichen.

Die Zusammenhänge zwischen unserer Ernährung und einem gesunden Mikrobiom sowie deren Auswirkungen auf unsere psychische Gesundheit sind von enormer Bedeutung. Eine ausgewogene Ernährung kann dazu beitragen, Stress und Angstzustände zu reduzieren, die Stimmung zu verbessern und die kognitive Funktion zu unterstützen. Daher sollten wir bewusste Entscheidungen treffen, wenn es um unsere Ernährung geht, und uns für Lebensmittel entscheiden, die nicht nur unserem Körper, sondern auch unserem Geist guttun.

 

Quellen: DGE: Mikrobiom und Ernährung. DGE wissen 9.2021
1 Sakkas, H.; Bozidis, P.; Touzios, C.; Kolios, D.; Athanasiou, G.; Athanasopoulou, E.; Gerou, I.; Gartzonika, C. Nutritional Status and the Influence of the Vegan Diet on the Gut Microbiota and Human Health. Medicina 2020, 56, 88. https://doi.org/10.3390/medicina56020088

 

Gesunde Haut beginnt im Darm: Die Bedeutung des Darmmikrobioms

01.03.2024 // Lesezeit ca. 3-5 Minuten

Gesunde Haut von innen heraus

Es gibt immer mehr Erkenntnisse für den Zusammenhang zwischen dem Hautzustand und dem Darm-Mikrobiom (bezeichnet als Haut-Darm-Achse).

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Die Darmflora, wissenschaftlich Mikrobiota genannt, bietet uns essentielle verdauungsfördernde und schützende Funktionen. Wird sie ins Ungleichgewicht gebracht (Fachbegriff: Dysbiose), kann das u.a. negative Auswirkungen auf unsere Immunabwehr haben.
Die Haut und der Darm sind komplexe Organe, die regelmäßig mit der äußeren Umgebung interagieren und jeweils eine Vielzahl von Mikrobiomen beherbergen. Während die Haut als größtes Organ des Körpers eine Schutzbarriere gegen äußere Einflüsse darstellt, spielt der Darm eine entscheidende Rolle bei der Nährstoffaufnahme und der Regulation des Immunsystems.
Das Darmmikrobiom erfüllt von Geburt an verschiedene wichtige Funktionen, darunter den Schutz vor pathogenen Organismen, die Bereitstellung metabolischer Aktivitäten und die Entwicklung des Immunsystems. Diese mikrobiellen Gemeinschaften helfen bei der Verdauung von Nahrungsmitteln, dem Abbau von Toxinen und der Synthese von Vitaminen. Der Darm wird als ein symbiotisches Organ betrachtet, da er von einer vielfältigen Gruppe von Mikroorganismen besiedelt ist, die der Wirt toleriert und von denen er profitiert. Veränderungen im Darmmikrobiom können jedoch die Anfälligkeit des Wirts erhöhen und das Immunsystem beeinträchtigen, was wiederum die Hautgesundheit beeinflussen kann.
Die mikrobielle Zusammensetzung von Darm und Haut variiert stark. Die Haut, das größte Organ des menschlichen Körpers, beherbergt zahlreiche Kommensalen (Bakterien, Pilze und Viren) und verhindert das Eindringen von Fremdpathogenen, indem sie als physikalische Barriere fungiert. Je nach den physiologischen Merkmalen jedes Hautbereichs kann die Haut grob in seborrhoisch oder fettig (Stirn), feucht (Ellenbeuge) oder trocken (Handfläche) eingeteilt werden. An verschiedenen Hautstellen dominieren spezifische mikrobielle Gruppen. Ähnlich wie die Haut beherbergt auch der menschliche Darm unzählige Mikroorganismen. Einige Darmbakterien (z. B. Laktobazillen, E. coli, Bifidobakterien, Streptococcus thermophilus) tragen zum Erhalt des menschlichen Gesundheitszustands bei, während andere (z. B. Clostridium difficile, Campylobacter, Enterococcus faecalis, Helicobacter pylori) in Krankheitszuständen häufiger vorkommen (siehe Abb.).1

Verschiedene dermatologische Erkrankungen wie Akne, atopische Dermatitis, Psoriasis und Rosacea wurden mit Veränderungen im Darmmikrobiom in Verbindung gebracht. Es gibt Hinweise darauf, dass das Darmmikrobiom die Hautgesundheit durch Stoffwechselaktivitäten und immunologische Einflüsse beeinflussen kann. Daher ist es wichtig, die Verbindungen zwischen dem Darm- und Hautmikrobiom sowie deren Auswirkungen auf Hautzustände zu verstehen.
Besonders bei Patienten mit Neurodermitis wurde eine verringerte Vielfalt an Darmbakterien festgestellt, was zu einer verstärkten entzündungsfördernden Immunantwort führen kann. Daher ist es bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis von entscheidender Bedeutung, auf eine gesunde Darmflora zu achten.
Eine gezielte Ergänzung mit spezifischen Bakterienstämmen wie Lactobacillus paracasei GMNL-133 und Lactobacillus fermentum GM090, wie sie in Innovall® ATOP enthalten sind, kann dazu beitragen, die Vielfalt der Darmflora zu erhöhen und das Immunsystem zu unterstützen. Dies kann dazu beitragen, das überaktive Immunsystem bei Neurodermitis zu regulieren und die Symptome zu lindern. In klinischen Studien wurde gezeigt, dass diese Bakterienstämme bei Kindern mit Neurodermitis nach 12-wöchiger Einnahme signifikante Verbesserungen der Symptome bewirken konnten.2

[1] Mahmud et al.; Gut Microbes. 2022 doi: 10.1080/19490976
[2] Wang et al.; Clinical & Experimental Allergy; 2015; doi: 10.1111/cea.12489

Antibiotika und das Darmmikrobiom: Die komplexe Beziehung im Fokus der Gesundheit

14.02.2024 // Lesezeit ca. 3-5 Minuten

Zu jedem Antibiotikum ein Microbioticum?

Das Darmmikrobiom, eine Gemeinschaft von Billionen von Mikroorganismen, die in unserem Verdauungstrakt leben, ist ein faszinierendes Ökosystem, das eine entscheidende Rolle für unsere Gesundheit spielt.

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In den letzten Jahren hat die wissenschaftliche Gemeinschaft zunehmendes Interesse an der Wechselwirkung zwischen Antibiotika und dem Darmmikrobiom gezeigt, da diese Medikamente weitreichende Auswirkungen auf die mikrobielle Vielfalt und Funktionalität haben können.

Antibiotika sind lebensrettende Medikamente, die zur Bekämpfung bakterieller Infektionen eingesetzt werden. Sie wirken, indem sie das Wachstum oder die Vermehrung von Bakterien hemmen. Leider sind sie nicht selektiv und können auch die „guten“ Bakterien in unserem Darm abtöten, die für die Aufrechterhaltung einer gesunden Darmflora entscheidend sind.

Eine der Hauptfolgen der Antibiotikatherapie ist die Störung des Darmmikrobioms, die als Dysbiose bezeichnet wird. Dies kann zu einer Verringerung der Vielfalt der Mikroorganismen führen und das Gleichgewicht zwischen „guten“ und „schlechten“ Bakterien stören. Eine solche Dysbiose wurde mit einer Vielzahl von Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht, darunter Magen-Darm-Störungen wie Durchfall, aber auch mit langfristigen Auswirkungen wie einem erhöhten Risiko für Fettleibigkeit, Diabetes und sogar psychischen Störungen.

Interessanterweise können die Auswirkungen von Antibiotika auf das Darmmikrobiom individuell variieren. Verschiedene Antibiotika haben unterschiedliche Spektren und können daher verschiedene Bakterienarten in unterschiedlichem Maße beeinflussen. Zusätzlich spielen die Dauer und Häufigkeit der Antibiotikatherapie eine Rolle. Ein kurzer Verlauf eines Breitbandantibiotikums kann vorübergehende Veränderungen verursachen, während eine langfristige oder wiederholte Exposition schwerwiegendere Auswirkungen haben kann.

Es gibt jedoch Hoffnung, dass wir Strategien entwickeln können, um die negativen Auswirkungen von Antibiotika auf das Darmmikrobiom zu mildern oder zu verhindern. Eine vielversprechende Möglichkeit ist die Verwendung von probiotischen Ergänzungen, die lebende Mikroorganismen enthalten, um das Gleichgewicht im Darm wiederherzustellen. Diese Probiotika können helfen, die Vielfalt der Darmflora zu erhalten und die negativen Auswirkungen der Antibiotika zu mildern.

Eine klinische Studie mit 50 Probanden hat gezeigt, dass die Bakterienstämme, die in Innovall® AB+ enthalten sind, zur Stabilisierung der intestinalen Mikrobiota während einer Antibiotikabehandlung beitragen.[1] Die Wiederherstellung der Ausgangsmikrobiota erfolgte in der Probiotika-Gruppe schneller als in der Placebo-Gruppe (Abb. 15). Ein ausgeprägter Effekt zeigte sich insbesondere auf die Konzentrationen von Bacteroides und Enterobacteriaceae (p=0,006), sowie der Bakteriengattung Bifidobacterium (p=0,030)

Abb. 1 Die Innovall® AB+-Bakterienstamme stabilisieren das intestinale Mikrobiom während einer Antibiose und fordern dadurch die schnellere Regeneration in den funktionellen Ursprung.

Innovall® AB+: reduziert unerwünschte Begleiterscheinungen einer Antibiose

In einer randomisierten, Placebo-kontrollierten, doppelblinden Studie wurde die Wirkung von Innovall® AB+ auf die Risikoreduktion einer Antibiotika-assoziierten Diarrhö (AAD) untersucht. Eingeschlossen wurden 503 stationäre Patienten, die aufgrund ihrer Erkrankung oder zur prä-/ postoperativen Prophylaxe ein Antibiotikum (u. a. Breitspektrum-Penicilline, Cephalosporine, Clindamycin) erhalten haben.[2]

Die Ergebnisse zeigen eine dosisabhängige Wirkung (Abb. 13). Bei einer täglichen Einnahme von 1,7 x 1010 KBE (^= 1 Kapsel Innovall® AB+) während und 7 Tage nach einer Antibiose wird im Vergleich zu Placebo:

  • die Inzidenz von AAD signifikant um 49 % reduziert
  • die Dauer einer AAD signifikant um 52 % verkürzt
  • die Inzidenz von Abdominalschmerzen, Blähungen und Fieber signifikant gesenkt

Abb. 2 Signifikante Reduktion der AAD-Inzidenz und -Dauer um 49 % und 52 % mit Innovall® AB+ (**p=0,01; ***p<0,001).

Abb. 2 Mit Innovall® AB+ ist die Inzidenz häufiger Antibiotika-Begleiterscheinungen wie Abdominalschmerzen, Blähungen und Fieber signifikant gesenkt (*p<0,05; ***p<0,001).

[1] Engelbrektson et al. J Med Microbiol. 2009; 58(Pt 5):663-70.
[2] Ouwehand et al. Vaccine. 2014; 32(4):458-63.

Die ersten 1.000 Tage des Lebens: Ausbildung des Mikrobioms und Folgen für die (kindliche) Gesundheit

22.01.2024 // Lesezeit ca. 3-5 Minuten

Chancen für die Modulation der Mikrobiota

Die ersten 1000 Tage bzw. 2-3 Jahre des Lebens tragen maßgeblich zur langfristigen Gesundheit bei, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung der Darmmikrobiota und ihre Auswirkungen.

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Die Entwicklung des Darmmikrobioms gliedert sich grob in vier Phasen: Die Geburt, die Entwicklungsphase (Monate 3–14), die Übergangsphase (Monate 15–30) und eine stabile Phase (Monate 31–46). Der mikrobiell-immune Austausch in dieser Zeit beeinflusst die spätere menschliche Gesundheit und kann mit verschiedenen Krankheiten, darunter Inselautoimmunität und Typ-1-Diabetes, in Verbindung stehen.1
Die Forschung zur Entwicklung des Darmmikrobioms in der frühen Kindheit konzentriert sich darauf, wann und wie Bakterien erstmals den Körper besiedeln.

Welche prä- und perinatale Schlüsselfaktoren beeinflussen das Mikrobiom?
Forscher haben verschiedene Faktoren in der Zeit vor und um die Geburt identifiziert, die die Entwicklung der Darmmikroben in den frühen Lebensjahren beeinflussen. Gesunde Gewohnheiten während der Schwangerschaft, das Gestationsalter, die Art der Geburt, die Ernährung und Zufütterung des Babys sowie die Verabreichung von Antibiotika gehören zu den Schlüsselfaktoren, die die Anfangsbesiedelung des Darms in eine vergleichsweise einfache mikrobielle Gemeinschaft formen.2

Ist der Geburtsmodus tatsächlich relevant?
Kürzlich wurde bestätigt, dass Neugeborene bereits bei der Geburt erstmals mit Bakterien in Kontakt kommen, wobei die Plazenta zahlreiche anatomische und immunologische Barrieren gegen Mikroorganismen aufweist.3 Die Wahl des Geburtsmodus, ob vaginal oder per Kaiserschnitt, hat einen signifikanten Einfluss auf die Zusammensetzung des Mikrobioms. Vaginal geborene Babys kommen mit Bakterien aus dem vaginalen, fäkalen und Hautbereich der Mutter in Kontakt, während Kaiserschnitt-Kinder hauptsächlich von Haut- und Umgebungsbakterien besiedelt werden. Neugeborene, die per Kaiserschnitt geboren wurden, zeigen eine erhöhte Anfälligkeit für Umgebungsmikroben, eine Verzögerung in der Besiedelung durch Bifidobakterien und eine höhere Prävalenz potenziell pathogener Mikroben. Dieser unterschiedliche „Startpunkt“ in der bakteriellen Kolonisation kann langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit haben.
Doch auch nach der Geburt befindet sich die Darmflora des Babys noch in einem unreifen Zustand und benötigt etwa bis zum 3. Lebensjahr, um ein gesundes Gleichgewicht zu erreichen. Während dieser Zeit reagiert die kindliche Darmflora besonders empfindlich auf äußere Reize.

Ist Stillen der Schlüssel für ein gesundes Mikrobiom?
Stillen gilt als der Schlüssel für ein gesundes Mikrobiom und spielt eine zentrale Rolle in der Entwicklung der kindlichen Darmflora. Die in der Muttermilch enthaltenen natürlichen Milchsäurebakterien tragen dazu bei, den Aufbau der Darmflora zu unterstützen, indem sie dem Baby von Anfang an helfen, schädliche Darmbakterien abzuwehren und die Darmflora zu stärken. Besonders hervorzuheben ist die bedeutende Rolle der Bifidobakterien als Pioniere in der Besiedelung des kindlichen Darms, insbesondere in den ersten sechs Monaten. Untersuchungen zeigen, dass Bifidobakterien aromatische Milchsäuren produzieren, die die Immunfunktion positiv beeinflussen können.4 Klinische Studien bestätigen die positiven Auswirkungen von Bifidobakterienstämmen, insbesondere bei Frühgeborenen. In dieser entscheidenden Phase wird Muttermilch als ideales Pro- und Präbiotikum betrachtet, das nicht nur die Entwicklung von Bifidobakterien, sondern auch von Laktobazillen fördert. Das Stillen unterstützt somit aktiv die Ausbildung der kindlichen Darmflora, schützt vor schädlichen Darmbakterien und stärkt die Darmflora nachhaltig. Darüber hinaus enthält Muttermilch Präbiotika, die für den Stoffwechsel und das Wachstum der Darmbakterien von entscheidender Bedeutung sind.

Welchen Einfluss hat die Zufütterung bzw. Beikost?
Die Einführung von Beikost spielt eine bedeutende Rolle in der Ernährung des Babys während der ersten Lebensmonate und beeinflusst maßgeblich die Zusammensetzung, Vielfalt und Stabilität der Darmflora. Besonders prägend ist die Einführung verschiedener Breie zwischen dem 5. und 8. Lebensmonat, da das kindliche Verdauungssystem zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig ausgereift ist. Studien haben gezeigt, dass sich durch die Beikosteinführung die Bakterienzusammensetzung in der Darmflora erheblich verändert. Dies erklärt auch, warum viele Säuglinge in dieser Phase empfindlich auf Verdauungsstörungen wie Blähungen oder Verstopfung reagieren. Das Verdauungssystem und die Darmflora müssen sich erst auf die Umstellung einstellen.

1 Stewart, C.J., Ajami, N.J., O’Brien, J.L. et al. Temporal development of the gut microbiome in early childhood from the TEDDY study. Nature 562, 583–588 (2018), https://doi.org/10.1038/s41586-018-0617-x
2 Francesca Turroni, et al. The human gut microbiota during the initial stages of life: insights from bifidobacteria, Current Opinion in Biotechnology (2021), https://doi.org/10.1016/j.copbio.2021.07.012
3 Kennedy KM, et al. Questioning the fetal microbiome illustrates pitfalls of low-biomass microbial studies. Nature ;613(7945):639-649. (2023), doi: 10.1038/s41586-022-05546-8.
4 Laursen, M.F., Sakanaka, M., von Burg, N. et al. Bifidobacterium species associated with breastfeeding produce aromatic lactic acids in the infant gut. Nat Microbiol 6, 1367–1382 (2021), https://doi.org/10.1038/s41564-021-00970-4

SIBO: Einblick in ein neues Gesundheitsphänomen: Ursachen, Krankheitsbild und modernes Therapiemanagement

21.11.2023 // Lesezeit ca. 5-7 Minuten und Video ca. 6 Minuten

Management von SIBO: Drei Schlüsselbereiche für eine effektive Behandlung

Die zunehmende Prävalenz von Small Intestinal Bacterial Overgrowth (SIBO) wirft ein Licht auf ein komplexes Gesundheitsphänomen. Diese Störung, hervorgerufen durch eine massive Überwucherung des Dünndarms mit scheinbar harmlosen Dickdarmbakterien, führt zu erheblichen Dysbalancen im bakteriellen Ökosystem, bekannt als Dysbiose. Klinische Manifestationen dieser Fehlbesiedelung umfassen übermäßige Gasbildung, abdominelles Spannungsgefühl, Durchfall und Bauchschmerzen.

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Obwohl der Begriff SIBO erst in den letzten Jahrzehnten Eingang in die medizinische Terminologie gefunden hat, ist das zugrunde liegende Problem nicht neu. Seit den 1940er Jahren haben sich Mediziner und Wissenschaftler mit den Auswirkungen von Bakterienüberwucherung im Dünndarm auseinandergesetzt, jedoch erst in jüngster Zeit hat dieses Wissen die breite Öffentlichkeit erreicht. Die gesteigerte Aufmerksamkeit für SIBO ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen, darunter das wachsende Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung und die Suche nach Erklärungen für unerklärliche Magen-Darm-Beschwerden.

Klinisch gestaltet sich die Unterscheidung zwischen dem Reizmagensyndrom (auch bezeichnet als funktionelle Dyspepsie; FD), dem Reizdarmsyndrom (RDS) und der bakteriellen Fehlbesiedelung des Dünndarms als herausfordernd. Es wird vermutet, dass eine Fehlbesiedelung zumindest teilweise für die Symptome von FD/RDS-Patienten verantwortlich sein könnte. Motilitätsstörungen des Dünndarms oder Störungen der intestinalen Immunität könnten die Entstehung einer bakteriellen Fehlbesiedelung begünstigen.

Management von SIBO: Drei Schlüsselbereiche für eine effektive Behandlung [3]

  • Diagnose: Eine präzise Diagnose von SIBO bildet den Ausgangspunkt für eine wirksame Behandlung. Der H2-Atemtest, bei dem der Patient eine spezielle Glukoselösung einnimmt und die Atemluft analysiert wird, ermöglicht die Identifikation von Anzeichen für eine Bakterienüberwucherung im Dünndarm. Wasserstoff entsteht zwar bei jedem Menschen durch bakterielle Zersetzung von Zuckern und anderen Kohlenhydraten. Sofern keine Fehlbesiedelung des Dünndarms vorliegt, findet eine solche bakterielle Fermentation fast ausschließlich im Dickdarm statt. Der über die Lunge abgeatmete Gasanteil steigt bei einer bakteriellen Fehlbesiedelung des Dünndarms über einen kritischen Grenzwert hinaus (meist 20 ppm) messbar an.
  • Ernährung: Die Ernährung spielt eine entscheidende Rolle bei der SIBO-Behandlung. Die Vermeidung von bestimmten Nahrungsmitteln, die das unkontrollierte Bakterienwachstum begünstigen, ist wichtig. Dazu gehören FODMAP-reiche Lebensmittel, Zucker, Laktose, Alkohol und Gluten. Gleichzeitig können ballaststoffreiche und mit ungesättigten Fettsäuren angereicherte Diäten dazu beitragen, eine gesunde mikrobielle Gemeinschaft zu fördern.
  • Antibiotika und Probiotika: Die medikamentöse Therapie mit Antibiotika zielt darauf ab, das übermäßige Bakterienwachstum zu reduzieren. Studien zeigen, dass einige betroffene Patienten mit einem auffälligen H2-Atemtest auf Glukose von einer Antibiotikabehandlung profitieren, was eine SIBO vermuten lässt. Auch Probiotika können sinnvoll sein, um eine gesunde Darmflora wiederherzustellen. Eine klinische Studie hat die Wirksamkeit von Probiotika bei Patienten mit dem Reizmagensyndrom (auch funktionelle Dyspepsie) untersucht. Dabei zeigten sich signifikante Effekte, darunter eine Reduktion der Reizmagen-Symptome und eine beeindruckende Verringerung von SIBO bei Patienten, die auch Protonenpumpeninhibitoren (PPIs) einnahmen.

Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass Probiotika wie Innovall® FD sowohl als eigenständige Therapie als auch als Ergänzung zu PPIs wirksam sein können. Eine differenzierte Betrachtung und Anpassung des Therapieansatzes unter Berücksichtigung individueller Bedürfnisse ist dabei von großer Bedeutung.

Information für Fachkreise >

Weitere Informationen zum Reizmagen und dem sporenbasierten Probiotikum Innovall® FD finden Sie im Kurzbeitrag von Prof. Gross.

Die Rolle der Darmmikrobiota bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten

22.10.2023 // Lesezeit ca. 8-10 Minuten

Rolle der Darmmikrobiota bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Eine Übersichtsarbeit hebt aktuelle Forschungsergebnisse hervor, wie Veränderungen in der Darmmikrobiota Wechselwirkungen mit dem Immunsystem beeinflussen und somit zur Entwicklung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten führen können.

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Nahrungsmittelunverträglichkeiten (NMUs) beeinträchtigen das tägliche Leben erheblich. Verdauungsprobleme wie Blähungen, Übelkeit und Durchfall können Anzeichen einer NMU sein. Trotz der oft als Modekrankheit abgetanen Wahrnehmung sind Intoleranzen weit verbreitet. Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zufolge vertragen 15-20 Prozent aller Deutschen keine Laktose. Jeder fünfte ist von einer Fruktoseintoleranz betroffen, und dazu kommen noch Gluten, Sorbit und Histamin.

Für viele Betroffene ist es schwer nachzuvollziehen, warum ihr Magen plötzlich auf gewohnte Nahrung empfindlich reagiert, die der Darm jahrzehntelang problemlos verarbeitet hat. Tatsächlich können verschiedene Nahrungsmittelbestandteile aus unterschiedlichen Gründen Probleme verursachen, die sich unterschiedlich äußern.

  • Laktoseintoleranz: Ein Mangel des Enzyms Laktase kann dazu führen, dass Milchzucker nicht vollständig in zwei Zuckermoleküle aufgespalten wird. Dies verhindert die Aufnahme durch die Dünndarmschleimhaut.
  • Fruktoseintoleranz: Diese Form der Intoleranz beruht auf einem defekten oder überlasteten Transportsystem im Dünndarm, insbesondere des Transportsystems GLUT-5, das Fruktose in die Dünndarmzellen befördern soll. Bei diesem Defekt steigt die Fruktosekonzentration im Darm, was zu erhöhtem Aufkommen von Fruktose im Dickdarm führt.
  • Sorbitintoleranz: Personen, die Fruktose nicht richtig aufnehmen können, haben oft auch Probleme mit dem Zuckeraustauschstoff Sorbit. Dieser ist natürlicherweise in Stein- und Kernobst sowie Trockenfrüchten enthalten und führt in größeren Mengen auch bei gesunden Menschen zu Durchfällen.
  • Histaminintoleranz: Eine erhöhte Histaminbelastung kann durch den Verzehr histaminreicher Lebensmittel, die Einnahme von histaminfreisetzenden Medikamenten oder das Vorhandensein vieler histaminbildender Bakterien im Darm verursacht werden. Wenn die Kapazität des Körpers zum Histaminabbau reduziert ist, staut sich Histamin an, was zu verstärkten Symptomen führt.

Es ist zunächst wichtig zu verstehen, dass zwischen verschiedenen Lebensmittelunverträglichkeiten gravierende Unterschiede bestehen, die oft verkannt wird. Es existieren verschiedene Arten von NMUs. Zum einen gibt es „allergisch bedingte NMUs “ oder auch „Nahrungsmittelallergien“. Zum anderen können „nicht allergisch bedingte NMUs “ auftreten, zu denen die o.g. Nahrungsmittelintoleranzen gehören. Es ist äußerst wichtig, zwischen diesen beiden Begriffen zu differenzieren, da Diagnose und Therapie erheblich variieren.

Die Vermeidung bestimmter Lebensmittel oder Bestandteile ist oft notwendig und bildet derzeit die wichtigste Behandlungsmethode. Angesichts der Tatsache, dass rund ein Fünftel der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens von NMUs betroffen ist, ist es entscheidend, Alternativen für den Umgang mit NMUs zu erforschen.

Die Entwicklung einer Lebensmittelunverträglichkeit bewirkt eine Veränderung in der Art und Weise, wie das Immunsystem auf bestimmte Bestandteile eines Lebensmittels reagiert. Dies führt zu einer fehlgeleiteten Immunreaktion. Normale Immunreaktionen setzen eine angemessene Immunantwort voraus, was bedeutet, dass das Immunsystem Nahrungsmittelbestandteile als sicher erkennt und nicht darauf reagiert. Bei Menschen mit Nahrungsmittelüberempfindlichkeit geht diese Toleranz verloren, und ihr Immunsystem identifiziert Nahrungsmittelbestandteile fälschlicherweise als schädlich, woraufhin es reagiert. In einem Review, verfasst von Elena Verdú von der McMaster University in Kanada und veröffentlicht im Nature Magazine, wurde die Beziehung zwischen Veränderungen im Mikrobiom und der Entstehung von NMUs näher beleuchtet.1 Die Forscher konnten Veränderungen in der Darmmikrobiota identifizieren, die diese Verschiebung in der Immunaktivierung bewirken. Diese Veränderungen werden durch genetische Faktoren, Umwelteinflüsse, die Rolle der Darmmikrobiota bei der Aufrechterhaltung eines normalen Immunsystems und schließlich durch die Interaktion der Darmmikrobiota mit Nahrungsmittelbestandteilen beeinflusst.

Genetische Faktoren und Umwelteinflüsse

Genetik und Umwelt spielen eine wichtige Rolle bei den Veränderungen in der Darmmikrobiota und können dazu führen, dass genetisch prädisponierte Personen anfälliger für die Entwicklung von Nahrungsmittelüberempfindlichkeiten sind. Bakterielle und virale Infektionen sowie ein Mangel an schützenden Bakterienstämmen im Darm werden mit einem erhöhten Risiko für den Verlust der Toleranz in Verbindung gebracht. Bakterielle und virale Infektionen haben das Potenzial, angemessene Immunreaktionen zu unterdrücken, indem sie Entzündungen auslösen und die Durchlässigkeit der Darmwand verändern, was wiederum die Entwicklung von NMUs begünstigen kann.

Abgesehen von genetischen Faktoren scheinen auch Umweltfaktoren eine Rolle zu spielen, insbesondere in sensiblen Entwicklungsphasen wie der frühen Kindheit. Ein Zusammenhang zwischen dem Risiko von Nahrungsmittelüberempfindlichkeiten und der Ernährung von Säuglingen, der Art der Geburt und der Einnahme von Antibiotika wurde festgestellt, da all diese Faktoren die Darmmikrobiota und die spätere Immunfunktion beeinflussen.

Die Rolle der Darmmikrobiota bei der Aufrechterhaltung eines normalen Immunsystems

Die Darmmikrobiota spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung eines normalen Immunsystems im menschlichen Körper. Das Mikrobiom als komplexes Ökosystem von Bakterien, Viren, Pilzen und anderen Mikroben hat eine enge Beziehung zum Immunsystem. Die Mikrooraganismen helfen nicht nur bei der Verdauung von Nahrung und der Aufnahme von Nährstoffen, sondern beeinflussen auch maßgeblich die Immunantwort des Körpers. Eine gesunde Darmmikrobiota trägt dazu bei, das Immunsystem in einem ausgewogenen Zustand zu halten, indem sie die richtige Balance zwischen pro- und anti-entzündlichen Signalen aufrechterhält.

Die Darmmikrobiota ist in der Lage, das Immunsystem zu trainieren und zu modulieren. Sie unterstützt die Ausbildung von Immunzellen und hilft dabei, die Unterscheidung zwischen körpereigenen Zellen und schädlichen Eindringlingen zu treffen. Eine ausgewogene Darmflora fördert die Produktion von Antikörpern und anderen wichtigen immunologischen Substanzen, die den Körper vor Infektionen schützen.

Darüber hinaus interagiert die Darmmikrobiota auch direkt mit dem Darmgewebe und stärkt die Integrität der Darmbarriere. Eine intakte Darmbarriere ist entscheidend, um das Eindringen von Krankheitserregern und unerwünschten Substanzen in den Blutkreislauf zu verhindern. Indem sie diese Barriere unterstützt, reduziert die Darmmikrobiota das Risiko von Entzündungen und Autoimmunerkrankungen.

Insgesamt ist die Darmmikrobiota von essenzieller Bedeutung für die Gesundheit des Immunsystems. Ein Ungleichgewicht in der Darmflora, bekannt als Dysbiose, kann zu verschiedenen immunologischen Problemen führen und das Risiko für Entzündungen und andere immunvermittelte Erkrankungen, wie auch NMUs erhöhen. Daher ist die Pflege und Förderung einer gesunden Darmmikrobiota von großer Bedeutung für die Aufrechterhaltung eines normalen und gut funktionierenden Immunsystems im menschlichen Körper.

Interaktion der Darmmikrobiota mit Nahrungsmittelbestandteilen

Die Wechselwirkung der Darmmikrobiota mit Nahrungsmittelbestandteilen ist äußerst komplex und kann den Schweregrad von Lebensmittelempfindlichkeiten beeinflussen. Bei Erkrankungen wie Zöliakie wurde beispielsweise festgestellt, dass bestimmte Darmbakterien das Glutenprotein abbauen können, wodurch entweder seine Toxizität erhöht oder verringert wird.2 Bestimmte Lactobacillus-Stämme, die in gesunden Menschen vorkommen, sind in der Lage, Gluten in kleine Moleküle, sogenannte Peptide, abzubauen, um die Immunreaktion zu mildern. Dies eröffnet die Möglichkeit, dass gezielte Veränderungen in der Darmflora die Toxizität von Gluten bei Zöliakiepatienten beeinflussen könnten.

Veränderungen im Darmmikrobiom, die durch den Verzehr von Gluten hervorgerufen werden, können ebenfalls die Entstehung von Glutenunverträglichkeiten beeinflussen. Eine Studie aus dem Jahr 2016 legte nahe, dass eine gestörte Darmbarriere aufgrund von einer subtilen Immunreaktion und folglich zu Entzündungen führen kann, was zu den Symptomen einer Glutensensitivität beitragen könnte.3,4,5

Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass spezifische Bakterienstämme, die in Innvovall® GLU enthalten sind, die Verdauung von Gluten verbessern können und gleichzeitig die bakterielle Vielfalt im Darmmikrobiom fördern. Diese natürlicherweise im menschlichen Darm vorkommenden Bakterienspezies können dazu beitragen, glutenbedingte Verdauungsprobleme zu lindern.

Es ist möglich, das Microbioticum in Kombination mit einer glutenfreien Ernährung zu verwenden, um die Darmfunktion weiter zu unterstützen. Dennoch sollte beachtet werden, dass es eine glutenfreie Ernährung bei bereits bestehender Zöliakie nicht ersetzt.

1 Caminero, A., Meisel, M., Jabri, B. et al. Mechanisms by which gut microorganisms influence food sensitivities. Nat Rev Gastroenterol Hepatol 16, 7–18 (2019). https://doi.org/10.1038/s41575-018-0064-z
2 Caminero A, Galipeau HJ, McCarville JL, Johnston CW, Bernier SP, Russell AK, Jury J, Herran AR, Casqueiro J, Tye-Din JA, Surette MG, Magarvey NA, Schuppan D, Verdu EF. Duodenal Bacteria From Patients With Celiac Disease and Healthy Subjects Distinctly Affect Gluten Breakdown and Immunogenicity. Gastroenterology. 2016 Oct;151(4):670-83. doi: 10.1053/j.gastro.2016.06.041. Epub 2016 Jun 30. PMID: 27373514.
3 Cardoso-Silva D, Delbue D, Itzlinger A, et al. Intestinal barrier function in gluten-related disorders. Nutrients. 2019;11(10):E2325.
4 Uhde M, Ajamian M, Caio G, et al. Intestinal cell damage and systemic immune activation in individuals reporting sensitivity to wheat in the absence of coeliac disease. Gut. 2016;65(12):1930-1937.
5 Igbinedion SO, Ansari J, Vasikaran A, et al. Non-celiac gluten sensitivity: all wheat attack is not celiac. World J Gastroenterol. 2017;23(40):7201-7210.

Sommer, Sonne, UV-Schutz – Blockiert Sonnencreme die Vitamin D Produktion und beeinflusst somit unser Mikrobiom?

16.08.2023 // Lesezeit ca. 5-7 Minuten

Vitamin-D-Mangel ist weit verbreitet

Über einen mehrjährigen Zeitraum hinweg wurde der Vitamin-D-Status von 6.995 Erwachsenen (im Alter von 18 bis 79 Jahren) sowie von 10.015 Kindern (im Alter von einem bis 17 Jahren) untersucht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass es hinsichtlich der Vitamin-D-Versorgung Raum für Verbesserungen gibt.1

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Als nicht ausreichend oder zumindest nicht optimal gelten Serumwerte unter 50 nmol/l (unter 20 ng/ml). In dieser Hinsicht zeigten die Resultate, dass 45,6 Prozent der Kinder und Jugendlichen unzureichende Vitamin D-Spiegel aufwiesen. Bei den Erwachsenen lag dieser Anteil sogar bei 56,0 Prozent.

Vitamin D – Grundlagen der Absorption

Nur wenige natürliche Nahrungsquellen enthalten Vitamin D. Dazu zählen fetter Fisch wie Lachs, Makrele und Hering, Eigelb, Lebertran sowie angereicherte Lebensmittel wie Milch, Margarine und Frühstückszerealien. Einige Pilzarten, insbesondere jene, die UV-Licht ausgesetzt wurden, können ebenfalls natürliches Vitamin D enthalten.

Die Deckung des Vitamin-D-Bedarfs über die Nahrung gestaltet sich insgesamt als herausfordernd. Die effektivste natürliche Quelle für Vitamin D ist tatsächlich Sonnenlicht. Deshalb wird Vitamin D oft als „Sonnenvitamin“ bezeichnet, da die Hauptquelle für seine Produktion in der Haut die Einwirkung von Sonnenstrahlen ist.

Die Bildung von Vitamin D in der Haut erfolgt überwiegend durch die Exposition gegenüber UV-B-Strahlen der Sonne. Diese Strahlen lösen eine chemische Reaktion aus, bei der 7-Dehydrocholesterol, eine in der Haut vorkommende Substanz, in Vorstufen von Vitamin D umgewandelt wird. Diese Vorstufen durchlaufen weitere Verarbeitungsstufen und wandeln sich schließlich in aktives Vitamin D um (siehe Abbildung). Es empfiehlt sich, idealerweise etwa 10 bis 30 Minuten lang Arme, Beine und Gesicht der Sonne auszusetzen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Fähigkeit zur Vitamin-D-Produktion in der Haut von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird, darunter geografischer Breitengrad, Jahreszeit, Tageszeit, Hautfarbe und Verwendung von Sonnenschutzmitteln.

Vitamin D – Gesundheitliche Vorteile

Vitamin D hat eine Vielzahl von gesundheitlichen Vorteilen, die über die Unterstützung der Knochengesundheit hinausgehen. Hier sind einige der wichtigsten gesundheitlichen Vorteile von Vitamin D:

  1. Knochengesundheit: Vitamin D spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufnahme von Kalzium und Phosphor im Darm, was für die Gesundheit der Knochen und Zähne unerlässlich ist. Ein ausreichender Vitamin D-Spiegel trägt zur Erhaltung der Knochenstärke und -struktur bei und kann das Risiko von Osteoporose und Knochenbrüchen verringern.
  2. Immunsystem: Vitamin D hat eine immun-modulatorische Wirkung, was bedeutet, dass es das Immunsystem reguliert und stärkt. Es unterstützt die Funktion von Immunzellen und kann die Abwehrreaktion des Körpers gegenüber Infektionen und Krankheiten verbessern.
  3. Entzündungsregulierung: Vitamin D kann Entzündungen im Körper reduzieren. Chronische Entzündungen werden mit einer Vielzahl von Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht, und Vitamin D kann dazu beitragen, diese Entzündungen zu dämpfen.
  4. Herz-Kreislauf-Gesundheit: Ein angemessener Vitamin D-Spiegel kann das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren, da es positiven Einfluss auf Blutdruck, Blutzuckerspiegel und die Gesundheit der Blutgefäße haben kann.
  5. Stimmung und geistige Gesundheit: Es gibt Hinweise darauf, dass ein Mangel an Vitamin D mit einem erhöhten Risiko für Depressionen und andere psychische Erkrankungen in Verbindung stehen kann. Eine ausreichende Vitamin D-Versorgung kann daher die Stimmung und geistige Gesundheit positiv beeinflussen.
  6. Krebsschutz: Obwohl die Forschung noch im Gange ist, deuten einige Studien darauf hin, dass ein angemessener Vitamin D-Spiegel das Risiko bestimmter Krebsarten wie Darm-, Brust- und Prostatakrebs verringern könnte.
  7. Hormonelle Regulation: Vitamin D spielt eine Rolle bei der Regulierung verschiedener Hormone im Körper, was Auswirkungen auf den Stoffwechsel und die Gesundheit haben kann.

Vitamin D – Verbesserung des Darm Mikrobioms

Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass das Darmmikrobiom eine bedeutende Rolle bei den vielfältigen Wirkungen von Vitamin D spielt, indem es über seine Auswirkungen auf die Darmflora vermittelt wird.

In einer Studie in Katar2 erhielten 80 gesunde Frauen mit nachgewiesenem Vitamin-D-Mangel über einen Zeitraum von drei Monaten eine hochdosierte Vitamin-D-Ergänzung. Vor und nach der zwölfwöchigen Vitamin-D-Gabe wurden der Vitamin-D-Spiegel und die Darmflora untersucht. Die Ergebnisse waren beeindruckend: Die Vitamin-D-Zufuhr führte zu einer signifikanten Steigerung der bakteriellen Vielfalt im Darm. Besonders bemerkenswert war die Verbesserung des Verhältnisses zwischen den Bakterienstämmen Firmicutes und Bacteroidetes. Ein Überwiegen von Firmicutes und ein Mangel an Bacteroidetes sowie eine geringe Artenvielfalt im Darm wurden mit Erkrankungen wie Übergewicht und Diabetes in Verbindung gebracht. Die Verschiebung des Verhältnisses in Richtung Bacteroidetes, die mit einer schlankmachenden Wirkung assoziiert sind, stärkte die Darmbarriere und reduzierte Entzündungen.

Die Studie zeigte, dass ein ausreichend hoher Vitamin-D-Spiegel dieses Bakterienverhältnis verbessern und die allgemeine Darmgesundheit fördern kann. Unter der Vitamin-D-Supplementierung nahm auch die Anzahl anderer wichtiger Bakterien wie Akkermansia muciniphilia und Bifidobakterien zu. Ein hoher Gehalt an Akkermansia muciniphilia wurde mit gesundheitsförderlichen Effekten wie Schutz vor Übergewicht, niedrigeren Blutzucker- und Blutfettwerten sowie einer verbesserten Darmimmunität in Verbindung gebracht3.

Ähnliche Ergebnisse ergab eine Studie eines internationalen Forscherteams.4 Sie verglichen die Vitamin-D-Spiegel von 567 älteren Männern mit Ergebnissen einer Mikrobiomanalyse. Hierbei zeigte sich, dass Teilnehmer mit höheren Vitamin-D-Spiegeln eine gesündere Darmflora aufwiesen. Besonders auffällig war die Präsenz vieler butyratproduzierender Mikroorganismen bei guter Vitamin-D-Versorgung. Butyrat, auch bekannt als „Buttersäure“, ist eine kurzkettige Fettsäure, die von verschiedenen Darmbakterien produziert werden kann.
Butyrat spielt eine wichtige Rolle für die Darmgesundheit, dringt jedoch auch in den Blutkreislauf ein und entfaltet seine Wirkung über Rezeptoren auf Immunzellen sowie auf Zellen, die im Fett- und Zuckerstoffwechsel involviert sind. Hohe Butyratspiegel können somit das Risiko von Übergewicht, Leberverfettung, Diabetes und Entzündungen reduzieren.

Vitamin D –Blockiert Sonnencreme die Vitamin D Produktion?

Indem wir unsere Haut dem Sonnenlicht aussetzen, wird Vitamin D gebildet. Dies verdanken wir den UVB-Strahlen, die die notwendige Energie für diesen Prozess bereitstellen. Allerdings sind dieselben Strahlen auch für unsere Bräunung verantwortlich – oder gegebenenfalls für Sonnenbrand. Um solche unerwünschten Folgen zu vermeiden, greifen wir auf Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor zurück. Dieser bietet einen Schutz vor bis zu 90 Prozent der Strahlen, wenn er korrekt aufgetragen wird. Dadurch wird Sonnenbrand vermieden. Jedoch könnte auch die Produktion von Vitamin D beeinträchtigt werden. Zumindest besagt dies die Theorie.

Sonnenschutzmittel können die körpereigene Produktion von Vitamin D beeinflussen, da sie UV-Strahlung blockieren, die für die Synthese von Vitamin D in der Haut notwendig ist. Die Wirksamkeit von Sonnenschutzmitteln wird durch den Lichtschutzfaktor bestimmt, der angibt, wie viel UV-Strahlung blockiert wird.

Das Robert-Koch-Institut gibt an, dass Sonnenschutzmittel mit einem Lichtschutzfaktor von 20 etwa 95 Prozent der UV-Strahlung abschirmen. Dies bedeutet, dass trotz Verwendung eines solchen Sonnenschutzmittels noch ein gewisser Anteil der UV-Strahlung auf die Haut gelangt, der zur Vitamin-D-Produktion beitragen könnte. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die tatsächliche Menge an UV-Strahlung, die die Haut erreicht, von verschiedenen Faktoren abhängt, wie z. B. der Anwendungsweise des Sonnenschutzmittels, der Dicke der aufgetragenen Schicht und der Sonnenintensität. Zudem ist der Hauttyp, die Jahreszeit und die geografische Lage relevant. In Regionen mit ausreichender Sonneneinstrahlung könnte die Verwendung von Sonnenschutzmitteln die Vitamin-D-Synthese weniger beeinträchtigen als in Regionen mit geringerer Sonnenexposition.

Es besteht eine Art „Dilemma“ zwischen dem Schutz vor schädlicher UV-Strahlung, die Hautkrebs verursachen kann, und der Notwendigkeit, ausreichend Vitamin D zu produzieren.

FAZIT

Es ist von großer Bedeutung, einen ausgewogenen Ansatz zu finden, der sowohl den Schutz der Haut vor schädlichen UV-Strahlen als auch die ausreichende Produktion von Vitamin D im Körper gewährleistet. Dies kann bedeuten, gelegentlich eine begrenzte Zeit ohne Sonnenschutzmittel der Sonne ausgesetzt zu sein, um die Synthese von Vitamin D zu ermöglichen, gefolgt von einer verantwortungsvollen Anwendung von Sonnenschutz, um die Haut vor Überbelichtung zu bewahren. Alternativ könnte auch die Option einer Vitamin-D-Supplementierung in Betracht gezogen werden.

Generell ist es essenziell, auf eine angemessene Vitamin-D-Zufuhr und einen ausgewogenen Spiegel zu achten. Bei Unsicherheiten ist es ratsam, die eigenen Werte von einem Arzt überprüfen zu lassen. Dabei sollte immer im Bewusstsein behalten werden, dass Vitamin D nicht nur für die Erhaltung gesunder Knochen von großer Bedeutung ist, sondern auch zahlreiche andere positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Zusätzlich zeigt sich eine positive Beeinflussung des Darmmikrobioms: Vitamin D trägt zur Steigerung der bakteriellen Vielfalt im Darm bei und somit zur Förderung unserer Gesundheit. Die vielfältigen Wirkungen der unzähligen Bakterien in unserem Darm, die als unsere kleinen Helfer fungieren, werden kontinuierlich erforscht und versprechen weiterhin spannende Erkenntnisse.

 

[1] https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Vitamin_D/Vitamin_D_FAQ-Liste.html
[2] Singh, P., Rawat, A., Alwakeel, M. et al. The potential role of vitamin D supplementation as a gut microbiota modifier in healthy individuals. Sci Rep 10, 21641 (2020). https://doi.org/10.1038/s41598-020-77806-4
[3] Naito Y, Uchiyama K, Takagi T. A next-generation beneficial microbe: Akkermansia muciniphila. J Clin Biochem Nutr. 2018 Jul;63(1):33-35. doi: 10.3164/jcbn.18-57. Epub 2018 Jun 20. PMID: 30087541; PMCID: PMC6064808.
[4] Thomas, R.L., Jiang, L., Adams, J.S. et al. Vitamin D metabolites and the gut microbiome in older men. Nat Commun 11, 5997 (2020). https://doi.org/10.1038/s41467-020-19793-8

Probiotika-Mythos: „Viel hilft viel“ – Ist die Menge oder Anzahl der Stämme wirklich entscheidend?

25.07.2023 // Lesezeit ca. 3-5 Minuten

Probiotika sind in den letzten Jahren zu einem immer beliebteren Thema in der Gesundheitswelt geworden. Dabei ranken sich auch einige Mythen um die verpackten Mikroorganismen, die es zu klären gilt.

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Die Wahrheit über die Anzahl der Bakterienstämme:

Ein häufiger Mythos besagt, dass ein Probiotikum umso wirksamer ist, je mehr Bakterienstämme und -menge enthalten sind. Jedoch ist es essenziell zu verstehen, dass die Wirkung von Probiotika von klinischen Studien abhängt, die eine optimale Dosierung und Kombination von Bakterienstämmen ermitteln. Ähnlich wie bei Arzneimitteln ist eine spezifische Dosierung notwendig, um die gewünschte Wirkung zu erzielen und mögliche Begleiterscheinungen zu minimieren. Das Ergebnis klinischer Studien zeigt, dass eine bestimmte Kombination von Bakterienstämmen oder sogar ein einzelner Bakterienstamm ausreichen kann, um spezifische Beschwerden zu lindern oder die Darmflora zu regenerieren.

Fazit 1: „Viel hilft viel“ gilt demnach nicht immer, und daher setzen wir bei Innovall® in unseren Produkten exakt die Bakterienstämme und Dosierungen ein, die in klinischen Studien geprüft wurden und den besten gesundheitlichen Effekt gezeigt haben – weder mehr noch weniger. Die Dosierungen unserer Innovall®-Probiotika variieren von 2,5 Milliarden bis zu 450 Milliarden Bakterien pro Kapsel oder Beutel – genau die Dosierung, die in klinischen Studien die besten Ergebnisse gezeigt hat.

Beispiel 1: Innovall® RDS enthält nur den einen ganz speziellen Bakterienstamm Lactobacillus plantarum 299v. Über 50 klinische Studien haben gezeigt, dass dieser Stamm aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften alle typischen Reizdarmbeschwerden lindern kann und das ganz allein als einziger Stamm. Innovall® AB+ hingegen benötigt vier ausgewählte Stämme, um das Mikrobiom während einer Antibiotika-Behandlung ab dem ersten Tag zu stabilisieren und zu regenerieren.

Die Wahrheit über die Menge der Bakterienstämme:

Probiotika fallen unter das Lebensmittelgesetz, daher müssen die Inhaltsstoffe auf der Verpackung nach ihrem Anteil aufgelistet und deklariert werden. Grundlage hierfür ist die europäische Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) (EU) Nr. 1169/2011, die seit dem 13. Dezember 2014 hinsichtlich der Nährwertkennzeichnung gilt.[1] Die Reihenfolge der aufgeführten Inhaltsstoffe gibt Aufschluss darüber, wie viel von jedem Bestandteil tatsächlich in dem Produkt enthalten ist. In der Liste der Inhaltsstoffe auf der Verpackung eines Produkts werden die Bestandteile üblicherweise in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils aufgeführt. Das bedeutet, dass die Zutaten, die zuerst genannt werden, in größeren Mengen in dem Produkt enthalten sind, während diejenigen, die weiter unten aufgeführt sind, in geringeren Mengen vorkommen.

Fazit 2: Wenn bei einem Probiotikum die Bakterienstämme ganz oben in der Liste stehen, bedeutet dies, dass diese Stämme den größten Anteil des Produkts ausmachen. Mit anderen Worten: Die Kapsel enthält eine bedeutende Menge dieser wirksamen probiotischen Bakterien, was für die Effektivität des Probiotikums von großer Bedeutung ist.  Im Gegensatz dazu enthalten Produkte, bei denen Zusatzstoffe wie Maltodextrin, Maisstärke oder diverse Aromen an erster Stelle aufgeführt sind, tatsächlich eine höhere Menge dieser Bestandteile. Dies bedeutet jedoch gleichzeitig, dass der Anteil an probiotisch wirksamen Bakterien in solchen Produkten geringer ist.

 

Beispiel 2: Im Vergleich zu einigen anderen auf dem Markt erhältlichen Präparaten, die große Mengen an Füllstoffen, Konservierungsstoffen oder Trennmitteln enthalten, liegt der Fokus bei Innovall® AB+ auf einem hohen Gehalt an probiotischen Bakterien – Wie durch die Studienergebnisse empfohlen, sind mindestens 17 Milliarden Keime in nur einer Kapsel enthalten. Dabei stehen die Bakterienstämme in der Deklaration bereits an zweiter Stelle, was auf die hohe Menge und Konzentration in diesem Produkt hinweist. Der Hauptbestandteil unserer Kapsel besteht also aus den wertvollen probiotischen Bakterien, was für die Kunden von großer Bedeutung ist.

Schlussfolgerung:

Aus Fazit 1 & 2 wird klar: Eine große Gesamtmenge an Probiotikum bedeutet nicht zwangsläufig, dass besonders viele Bakterienstämme enthalten sind. Es ist durchaus möglich, dass diese hohe Menge hauptsächlich auf die Zusatzstoffe zurückzuführen ist, die nicht für die eigentliche Wirkung des Probiotikums verantwortlich sind.

Bei der Auswahl eines Probiotikums sollten Verbraucher daher nicht nur auf die Gesamtmenge des Präparats achten, sondern vor allem auf die Reihenfolge der aufgeführten Inhaltsstoffe. Die Platzierung der Bakterienstämme in der Liste gibt Aufschluss darüber, wie viel von den wirkungsvollen probiotischen Bakterien tatsächlich in dem Produkt enthalten ist.

Qualität und Konzentration der probiotischen Bakterien sollten bei der Auswahl eines Probiotikums im Vordergrund stehen. Ein hochwertiges Probiotikum zeichnet sich durch eine bedeutende Menge an wirksamen Bakterienstämmen aus, während der Anteil an unnötigen Zusatzstoffen möglichst gering gehalten wird. Der Fokus sollte darauf liegen, eine ausreichende Menge an probiotischen Bakterien zu erhalten, um den gewünschten gesundheitlichen Nutzen zu erzielen.

[1] https://www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/lebensmittel-kennzeichnung/pflichtangaben/lebensmittelkennzeichnung-wichtigsten-vorgaben-lmiv.html

Mikrobiom & Adipositas – was steckt dahinter

Die Zusammensetzung des Darmmikrobioms und die Interaktion der Nahrung mit den Darmbakterien als wichtige Faktoren

04.05.2023 // Lesezeit ca. 5-7 Minuten

In den letzten Jahrzehnten hat es eine deutliche Zunahme von Übergewicht und Adipositas gegeben[1]. Diese wurden bisher hauptsächlich mit einem ungesunden Lebensstil und/oder genetischer Veranlagung in Verbindung gebracht. Doch zunehmend zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass die Zusammensetzung des Darmmikrobioms bei normalgewichtigen und übergewichtigen Personen wesentliche Unterschiede aufweist. Dabei geht es nicht nur um die Auswahl und Menge der Nahrung, sondern auch um die Interaktion der Nahrung mit den Darmbakterien.

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Im menschlichen Darm gibt es eine große Anzahl von Bakterien, die als Darmmikrobiom bezeichnet werden. Diese Bakterien sind wichtig für die Verdauung von Nahrungsmitteln und beeinflussen das Immunsystem sowie den Stoffwechsel. Die Nahrung, die wir zu uns nehmen, bestimmt das Wachstum und die Zusammensetzung des Darmmikrobioms. Eine ballaststoffreiche Ernährung fördert das Wachstum von Bakterien, die Ballaststoffe zu eigenen Gunsten fermentieren und gesundheitsfördernde kurzkettige Fettsäuren produzieren. Diese Fettsäuren sind wichtige Energiequellen für die Darmzellen und fördern die Gesundheit des Verdauungstrakts.

Einige Nahrungsmittel können jedoch auch das Wachstum von unerwünschten Bakterien fördern. Eine fettreiche Ernährung kann beispielsweise das Wachstum von Bakterien anregen, die Entzündungen im Darm verursachen. Eine Ernährung mit viel Zucker kann das Wachstum von Hefepilzen fördern, die zu Candida-Infektionen führen können.

Eine kürzlich in Nature Medicine veröffentlichte Studie untersuchte die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Mikrobiom und Krankheitsrisiko und zeigt auf, wie unsere Ernährung unser Mikrobiom formt und wie das Mikrobiom wiederum unser Krankheitsrisiko beeinflusst[2]. Die Forscher untersuchten über 1.100 Personen, die an der PREDICT 1 Studie teilgenommen hatten und analysierten genetisches Material aus den Mikrobiomen der Studienteilnehmer. Dazu sammelten sie detaillierte Informationen zur langfristigen Ernährung der Teilnehmer und zu anderen Faktoren, die den Stoffwechsel und das Krankheitsrisiko beeinflussen, wie beispielsweise Blutzucker, Cholesterin und Entzündungswerte.

Die Studie zeigt, dass der Verzehr von unverarbeiteten pflanzlichen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Nüssen, Samen und Vollkornprodukten sowie ein moderater Konsum von tierischen Lebensmitteln wie Fisch und Eiern sich positiv auf das Darmmikrobiom auswirken. Hingegen ist der Verzicht auf rotes Fleisch, Speck, Milchprodukte und stark verarbeitete Lebensmittel, einschließlich verarbeiteter pflanzlicher Lebensmittel wie Saucen, Säfte oder zuckerhaltige Getränke und Desserts, ebenfalls vorteilhaft.

Die Qualität der Lebensmittel spielt eine wichtige Rolle, da verarbeitete oder ultra-verarbeitete pflanzliche Lebensmittel nicht mit gesunden Darmbakterien assoziiert wurden. Die Studie ergab auch, dass die Gesundheit des Mikrobioms durch die Ernährung signifikant beeinflusst wird und dass die Zusammensetzung des Mikrobioms das Risiko für Krankheiten beeinflusst. Krankheiten wie Übergewicht, Herzerkrankungen, Typ-2-Diabetes und Entzündungen werden durch Ernährungsänderungen am stärksten beeinflusst.

Vorherige Untersuchungen haben gezeigt, dass es Unterschiede im Mikrobiom von normal- und übergewichtigen Personen gibt, wobei eine geringe Diversität des Mikrobioms in mehreren Studien mit Adipositas korreliert. [3],[4] Auch dominante Phyla wie Bacteroidetes und Firmicutes kommen unterschiedlich häufig vor. Experimente mit keimfrei aufgezogenen Mäusen haben gezeigt, dass das Mikrobiom eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Körpergewichts und des Stoffwechsels spielt. Mäuse, die das Mikrobiom von adipösen Mäusen erhalten hatten, nahmen mehr an Körpergewicht zu als die Mäuse, die das Mikrobiom von schlanken Mäusen erhalten hatten. Das Mikrobiom der adipösen Mäuse war auch besser in der Lage, dem Wirt Energie aus der Nahrung zur Verfügung zu stellen. [5],[6]

Obwohl das Mikrobiom von vielen Faktoren beeinflusst wird, einschließlich Ernährung, Lebensstil, Medikamenten und Krankheiten, gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass eine gesunde Darmflora eine wichtige Rolle bei der Prävention von Übergewicht und damit verbundenen Krankheiten spielen kann. Es gibt verschiedene bekannte Mechanismen, durch die Darmbakterien zu Übergewicht beitragen können.

Hier sind einige davon:

  1. Erhöhte Kalorienaufnahme: Einige Darmbakterien können die Verdauung von Nahrungsmitteln beeinflussen und die Aufnahme von Kalorien aus der Nahrung erhöhen. Dies kann dazu führen, dass der Körper mehr Kalorien aufnimmt, als er benötigt, was letztendlich zu Gewichtszunahme führen kann.
  2. Entzündungsreaktionen: Bestimmte Bakterienstämme im Darm können Entzündungsreaktionen auslösen, die den Stoffwechsel beeinflussen können. Dies kann zu einer gestörten Insulinresistenz führen, was wiederum dazu führt, dass der Körper mehr Fett speichert und das Risiko von Übergewicht erhöht. Insulinresistenz ist ein Zustand, in dem die Zellen des Körpers nicht mehr effektiv auf Insulin reagieren, was zu einer erhöhten Menge an Zucker im Blut und zu einem höheren Risiko für Diabetes führen kann.
  3. Beeinflussung des Appetits: Darmbakterien können auch den Appetit beeinflussen. Einige Bakterienstämme können die Produktion von Hormonen wie Leptin und Ghrelin beeinflussen, die den Appetit regulieren. Wenn diese Hormone aus dem Gleichgewicht geraten, kann dies zu einem gesteigerten Appetit und einem höheren Nahrungsmittelkonsum führen.
  4. Veränderung des Stoffwechsels: Darmbakterien können auch den Stoffwechsel im Körper beeinflussen, einschließlich der Art und Weise, wie der Körper Fett speichert und verbrennt. Wenn die Darmbakterien nicht im Gleichgewicht sind, kann dies dazu führen, dass der Körper mehr Fett speichert und weniger Fett verbrennt, was zu einer Gewichtszunahme führen kann.

Ein gesundes Mikrobiom im Darm kann helfen, Übergewicht zu vermeiden oder sogar zu reduzieren. Hier sind einige Tipps, die dabei helfen können:

  1. Ernährung: Eine ausgewogene pflanzenbetonte Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten kann dazu beitragen, das Wachstum von gesunden Darmbakterien zu fördern.
  2. Prä- und Probiotika: Lebensmittel wie Joghurt, Kefir, Sauerkraut und Kombucha enthalten lebende Mikroorganismen, sog. Probiotika, während Lebensmittel wie Bananen, Zwiebeln, Knoblauch und Haferkleie Präbiotika enthalten, die das Wachstum von nützlichen Bakterien im Darm unterstützen können.
  3. Ballaststoffe: Ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst können dabei helfen, die Darmflora zu verbessern und eine gesunde Verdauung zu unterstützen.
  4. Ausreichend Pausen zwischen Mahlzeiten, damit Darm und Stoffwechsel Zeit haben, zu verdauen.
  5. Vermeidung von Zucker und verarbeiteten Lebensmitteln: Zucker und verarbeitete Lebensmittel können das Wachstum von ungesunden Bakterien im Darm fördern und das Risiko von Fettleibigkeit erhöhen. Versuchen Sie daher, diese Lebensmittel zu reduzieren oder zu vermeiden.
  6. Schonende Zubereitung der Nahrung, um wichtige Spurenelemente in den Lebensmitteln zu erhalten.
  7. Wasser trinken: Ausreichend Wasser zu trinken kann dabei helfen, den Darm zu reinigen und eine gesunde Verdauung zu fördern.
  8. Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann dazu beitragen, das Wachstum von nützlichen Bakterien im Darm zu fördern und das Risiko von Fettleibigkeit zu reduzieren.
  9. Stressreduktion im Alltag: Stress kann die Darmgesundheit beeinträchtigen und das Risiko von Übergewicht erhöhen. Versuchen Sie daher, Stress durch Entspannungsübungen wie Meditation oder Yoga zu reduzieren.

Webinar zum Thema „Mikrobiom & Übergewicht – was steckt dahinter“

Referent: Prof. Sina (Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Ernährungsmedizin, Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin an der Universität zu Lübeck)

[1] NCD Risk Factor Collaboration (NCD-RisC). Worldwide trends in body-mass index, underweight, overweight, and obesity from 1975 to 2016: a pooled analysis of 2416 population-based measurement studies in 128·9 million children, adolescents, and adults. Lancet. 2017 Dec 16;390(10113):2627-2642. doi: 10.1016/S0140-6736(17)32129-3.
[2] Asnicar F, et al. Microbiome connections with host metabolism and habitual diet from 1,098 deeply phenotyped individuals. Nat Med. 2021 Feb;27(2):321-332. doi: 10.1038/s41591-020-01183-8.
[3] Mosca A., Leclerc M., Hugot J. P. (2016): Gut Microbiota Diversity and Human Diseases: Should We Reintroduce Key Predators in Our Ecosystem? Front Microbiol 7: 455
[4] Lozupone C. A., Stombaugh J. I., Gordon J. I., Jansson J. K., Knight R. (2012): Diversity, stability and resilience of the human gut microbiota. Nature 489 (7415): 220–230
[5] Turnbaugh PJ, Ley RE, Mahowald MA, Magrini V, Mardis ER, Gordon JI. An obesity-associated gut microbiome with increased capacity for energy harvest. Nature. 2006 Dec 21;444(7122):1027-31. doi: 10.1038/nature05414. PMID: 17183312.
[6] Ley RE, Bäckhed F, Turnbaugh P, Lozupone CA, Knight RD, Gordon JI. Obesity alters gut microbial ecology. Proc Natl Acad Sci U S A. 2005 Aug 2;102(31):11070-5. doi: 10.1073/pnas.0504978102.

Wie kommt es zu glutenbedingten Verdauungsstörungen?

Darmbakterien beeinflussen die Verdauung von Gluten und damit unerwünschte Immunreaktionen

13.03.2023 // Lesezeit ca. 2-4 Minuten

Gluten und Weizen können verschiedene Arten von Unverträglichkeiten und Reaktionen im Körper hervorrufen. Die bekanntesten sind Zöliakie, Weizenallergie und Nicht-Zöliakie Glutensensitivität (NCGS).

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Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem auf Gluten reagiert und eine Entzündungsreaktion im Dünndarm auslöst, die zu Schäden an der Dünndarmschleimhaut führt. Diese Schäden können Verdauungsprobleme, Mangelernährung und andere gesundheitliche Probleme verursachen. Die Diagnose Zöliakie ist ausnahmslos mit einem lebenslangen Verzicht auf Weizen und Gluten verbunden. Selbst kleine Mengen Gluten können bei Menschen mit Zöliakie eine Reaktion auslösen, die die Dünndarmschleimhaut schädigt und mitunter unangenehme gastrointestinale Symptome verursacht. Da der Verzicht auf jede noch so kleine Spur von Weizen den Lebensstil stark beeinträchtigen kann, versuchen Forscher, mehr über die Zöliakie zu erfahren, um alternative Behandlungsmethoden zu entwickeln.

Weizenallergie ist eine allergische Reaktion auf Proteine im Weizen. Die Symptome können von leicht bis lebensbedrohlich reichen und umfassen Hautausschlag, Juckreiz, Schwellungen, Atembeschwerden und Anaphylaxie. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch einen Hauttest oder Bluttest.

 „Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität“ (NCGS) ist eine Erkrankung, bei der Menschen auf Gluten reagieren, ohne dass bei ihnen eine Zöliakie diagnostiziert wurde. Die Symptome ähneln denen von Zöliakie und können Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung, sowie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen und Hautausschläge umfassen. Die Ursache von NCGS ist noch nicht vollständig verstanden, und es gibt keine spezifischen Tests oder Diagnosekriterien dafür.

Wie kommt es zu glutenbedingten Verdauungsstörungen?

  1. Glutenmolekül: Gluten besteht aus Glutelinen und Prolaminen (z. B. Weizen-Gliadine)
  2. Glutenabbau: Bis zu menschliche 9 Enzyme sind nötig, um Gluten vollständig abzubauen. Oft werden Prolamine (kurze Peptide aus einzelnen Aminosäuren) nicht komplett abgebaut.
  3. Prolamin-Fragmente: Bestimmte Prolamin-Fragmente wirken toxisch und immunreaktiv. Verschiedene Peptide wirken unterschiedlich auf Immunzellen – diejenigen, die eine stärkere Immunreaktion hervorrufen, werden als „immunogener“ bezeichnet. Anfällige Personen reagieren sensitiv auf diese Fragmente oder unverdaute Glutenreste.
  4. Verdauungsstörungen: Der Verzehr von Gluten kann deswegen zu Verdauungsstörungen wie Durchfall, Blähungen oder Schmerzen führen.

Darmbakterien beeinflussen die Verdauung von Gluten und damit unerwünschte Immunreaktionen

Die Bakterien im menschlichen Dünndarm sind am Glutenstoffwechsel beteiligt, und Wissenschaftler wissen bereits, dass Menschen mit Zöliakie zu einer anderen Zusammensetzung von Dünndarmbakterien neigen als Menschen ohne diese Krankheit. Laut einer Studie1 der McMaster University (Kanada) können Darmbakterien von Menschen mit Zöliakie eine andere Immunreaktion auslösen als die Mikroben von Menschen ohne Zöliakie, wenn sie mit Gluten in Kontakt kommen. Die Forschungsgruppe kolonisierte hierzu keimfreie Mäuse mit Bakterienkulturen aus Zöliakie Patienten (pathogenes Bakterium Pseudomonas aeruginosa) und Gesunden (diverse Lactobacillus-Arten), fütterte die Mäuse mit Gluten und beobachtete dann folgende Ergebnisse:

  • Peptide, die von der Pseudomonas aeruginosa aus Zöliakiepatienten produziert wurden, aktivierten glutenspezifische Immunzellen, was darauf hindeutet, dass die Peptide hoch immunogen waren.
  • Im Gegensatz dazu waren die Lactobacillus-Arten gesunder Menschen in der Lage, diese Peptide abzubauen und die Immunreaktion zu vermeiden.

Die Verbindungen zwischen Darmbakterien und dem Immunsystem im Glutenstoffwechsel sind demnach offensichtlich! Es scheint, dass bestimmte Bakterien aus dem Dünndarm die durch die Verdauung von Gluten ausgelösten Immunreaktionen verstärken oder abschwächen können.

Aktuelle in-vitro-Studie zeigt signifikante Gluten Verdauung durch spezifische probiotische Bakterien und deren Enzyme

Eine kürzlich durchgeführte In-vitro-Studie2 liefert Hinweise darauf, dass die Zugabe von spezifischen ausgewählten Bakterienstämmen und ihre entsprechenden proteolytischen Enzyme das Potenzial haben, die Verdauung von Gluten zu verbessern und immunogene Peptide während der gastrointestinalen Verdauung zu hydrolysieren. In der Untersuchung wurde belegt, dass die spezifischen Bakterien (enthalten in Innovall® GLU) in der Lage waren, Gluten zu nicht-toxischen, nicht-immunreaktiven Fragmenten abzubauen.

 

Webinar zum Thema „Gluten und Weizen: Sensitivität, Allergie oder Unverträglichkeit?“

Referent: Prof. Schiefke (Facharzt für Innere Medizin, Ernährungstherapie DGEM und Proktologie Chefarzt am St. Georg Klinikum Leipzig für Gastroenterologie, Hepatologie, Diabetologie und Endokrinologie und Leiter der internistischen Praxis Eugastro)

1Caminero A, Galipeau HJ, McCarville JL, et al. Duodenal bacteria from patients with celiac disease and healthy subjects distinctly affect gluten breakdown and immunogenicity. Gastroenterology. 2016; 151(4):670-83.
2De Angelis, M.; Siragusa, S.; Vacca, M.; Di Cagno, R.; Cristofori, F.; Schwarm, M.; Pelzer, S.; Flügel, M.; Speckmann, B.; Francavilla, R.; et al. Selection of Gut Resistant Bacteria and Construction of Microbial Consortia for Improving Gluten Digestion under Simulated Gastrointestinal Conditions. Nutrients 2021, 13, 992. https://doi.org/ 10.3390/nu13030992

Die Plazenta hält Babys bis zur Geburt keimfrei

Neue Daten bestätigen, dass das Mikrobiom erst bei der Geburt geprägt wird

24.02.2023 // Lesezeit ca. 3-5 Minuten

Über viele Jahre hinweg wurde angenommen, dass sowohl das ungeborene Kind als auch die Gebärmutter, in der es heranwächst, einschließlich der Plazenta und des Fruchtwassers, in einer gesunden Schwangerschaft steril sind. Diese Vorstellung wurde jedoch seit 2010 von mehreren Forschungsteams angezweifelt, die Bakterien in Proben der Plazenta und des Fruchtwassers gefunden haben. Daraus schlossen sie, dass ein fetales Mikrobiom existieren könnte. Dies hätte das bisherige Verständnis von der Entwicklung des Immunsystems beim Ungeborenen vollständig verändert.

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Eine Forschungsgruppe bestehend aus 46 Experten aus den Bereichen Reproduktionsbiologie, Mikrobiomforschung und Immunologie hat nun diese kontroverse These bezüglich des fetalen Mikrobioms widerlegt. Die Ergebnisse ihrer internationalen Studie wurden kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht1. Die Untersuchungen zeigten, dass die Gebärmutter im Normalfall frei von jeglichen Mikroben ist und somit eine keimfreie Umgebung für die Entwicklung des Fötus bereitstellt. Demnach findet der erste Kontakt mit Mikroben tatsächlich erst bei der Entbindung statt.

Die Wissenschaftler unter der Leitung von Jens Walter vom University College Cork stellten einstimmig fest, dass frühere Nachweise von Mikrobiomen im ungeborenen Kind auf einer Kontamination der Proben beruhen. Studienleiter Walter erklärte, dass die Existenz eines fetalen Mikrobioms im Widerspruch zu unserem aktuellen Verständnis der menschlichen Biologie steht. Die Plazenta verfügt über zahlreiche anatomische und immunologische Barrieren, die verhindern, dass Mikroorganismen in sie eindringen und sich dort ansiedeln. Nur wenige Mikroorganismen sind in der Lage, diese Barrieren zu überwinden und eine gefährliche Infektion des Fötus zu verursachen, so zum Beispiel Röteln- und Windpockenviren, Listerien oder das Herpesvirus, das eine Zytomegalie-Infektion auslösen kann.
Die Studie von Walter et al. legt nahe, dass eine stabile und zahlreiche Besiedlung des Mutterleibs durch Mikroben unter normalen, nicht krankhaften Umständen unwahrscheinlich ist. Allerdings kommen Föten während der Schwangerschaft mit den Stoffwechselprodukten des mütterlichen Mikrobioms in Kontakt, die wichtige Signale für die Immunentwicklung des Fötus liefern können. Diese Erkenntnisse betonen die Bedeutung des mütterlichen Mikrobioms für die Entwicklung des kindlichen Immunsystems und unterstreichen die Notwendigkeit, die Interaktion zwischen Mikroben und Immunsystem in der Schwangerschaft weiter zu untersuchen.

Hierbei sollten auch die Einflussfaktoren berücksichtigt werden, die die Besiedlung des Darms durch Mikroorganismen beeinflussen. Einige dieser Faktoren sind bereits wohl bekannt und sollten daher nicht unterschätzt werden:

  • Die Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft
  • Die Art der Geburt (vaginal oder per Kaiserschnitt)
  • Die Ernährung des Neugeborenen (Stillen oder Flaschennahrung)
  • Antibiotikagabe während der Schwangerschaft und Geburt
  • Exposition von Mutter oder Kind mit bestimmten Medikamenten (Antibiotika, aber auch andere häufig verwendete Medikamente wie Protonenpumpenhemmer zur Behandlung von Sodbrennen, saurem Reflux und Magengeschwüren)
  • Umweltfaktoren und Lebensstil der Mutter, wie Rauchen oder Stress

Es ist erwiesen, dass vielfältige Umweltfaktoren, denen ein Kind in den ersten 1.000 Lebenstagen ausgesetzt ist, seine Gesundheit im späteren Leben entscheidend prägen können2.
Forscher fanden zum Beispiel signifikante Zusammenhänge zwischen der Belastung durch Luftschadstoffe und der Zusammensetzung der Darmmikrobiota. Bei Säuglingen, die der Luftverschmutzung ausgesetzt waren, waren die Bakterien in ihrem Darm mit entzündlichen und metabolischen Krankheiten verbunden3.

Während es leider kein Patentrezept für ein optimales Darmmikrobiom gibt, das ein Neugeborenes vor Immun- und Stoffwechselkrankheiten schützt, ist es ein guter Rat, das Stillen so weit wie möglich zu propagieren, um das unreife Verdauungs- und Immunsystem eines Babys optimal zu unterstützen und seine Entwicklung zu fördern. Spezifische Präbiotika und Probiotika, die auf die Anforderungen der Darmmikrobiota des Babys zugeschnitten sind, können ebenfalls verabreicht werden um die Etablierung der Darmmikrobiota des Säuglings zu fördern.

Ein Probiotikum das für Kinder ab 0 Jahren geeignet ist, ist z.B. das Innovall® AID, ein Nahrungsergänzungsmittel mit 10 natürlich im menschlichen Darm vorkommenden, vermehrungsfähigen Bakterienkulturen.

 

1Kennedy, K.M., de Goffau, M.C., Perez-Muñoz, M.E. et al. Questioning the fetal microbiome illustrates pitfalls of low-biomass microbial studies. Nature 613, 639–649 (2023). https://doi.org/10.1038/s41586-022-05546-8
2https://www.aerzteblatt.de/archiv/183216/Fruehkindliche-Ernaehrung-Die-ersten-1000-Tage-entscheiden
3Bailey MJ, Holzhausen EA, Morgan ZEM, et al. Postnatal exposure to ambient air pollutants is associated with the composition of the infant gut microbiota at 6-months of age. Gut Microbes. 2022 Jan-Dec;14(1):2105096. DOI: 10.1080/19490976.2022.2105096. PMID: 35968805; PMCID: PMC9466616.

Antibiotikaeinsatz in Deutschland

Aktuelle Daten zeigen gravierende regionale Unterschiede im ambulanten Einsatz

31.01.2023 // Lesezeit ca 5-7 Minuten

Antibiotika sind zur Behandlung von bakteriellen Infektionen unerlässlich. Daraus resultierende Antibiotikaresistenzen stellen allerdings eine der größten Herausforderungen für die Gesundheitssysteme weltweit dar. Einer der Hauptgründe für die Entwicklung von Resistenzen beim Menschen ist, kurz gesagt, der falsche oder unnötige Einsatz von Antibiotika.1 Es ist daher von entscheidender Bedeutung, eine voreilige Verabreichung von Antibiotika zu vermeiden!

Dies gilt nicht nur wegen der Entwicklung von Resistenzen, sondern auch, weil Antibiotika das mikrobielle Gleichgewicht verändern, was zu dauerhaften gesundheitlichen Beeinträchtigungen und unerwünschten Nebenwirkungen führen kann (beispielsweise antibiotika-assoziierte Diarrhöe und erhöhte Infektionsanfälligkeit).

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Glücklicherweise gehört Deutschland im europäischen Vergleich inzwischen zu den Ländern mit den geringsten Antibiotikaverordnungen im ambulanten Bereich.2

National gibt es jedoch deutliche regionale Unterschiede zwischen den 16 Bundesländern und sogar auf Bezirksebene.3

Dies liefert Anlass zur Sorge über Unterschiede in der Angemessenheit der Verschreibung in Deutschland.

Eine aktuelle Studie untersuchte nun die kleinräumigen, regionalen Unterschiede der ambulanten Antibiotikaverschreibung.4 Die Untersuchung umfasst, kurz zusammengefasst, Folgendes:

  • Die Gesamtverschreibungsrate liegt bei 442 pro 1000 Personen/Jahr und ist damit im Vergleich zu 2010 um fast 25 % gesunken.

  • Kinder bis zu 5 Jahren erhalten im Durchschnitt fast so oft Antibiotika wie Senioren (über 65-Jährige).

  • Frauen erhalten häufiger Antibiotika als Männer

  • Sowohl bei Erwachsenen als auch Kindern werden vor allem Penicillin, Cephalosporine und Makrolide verschrieben

Zwischen den Regionen gibt es erhebliche Unterschiede bei den Verschreibungsraten (Stand 2018)

Eine Analyse auf Basis von Daten aus dem Jahr 2018, die alle GKV-Versicherten – also rund 87 % der deutschen Bevölkerung – einschließt,5 zeigt, dass die Gesamtverordnungsrate von Antibiotika in ost- und süddeutschen Bundesländern niedriger ist als in west- und norddeutschen.6
Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass sich die regionalen Verordnungsmuster für Antibiotika nach Altersgruppen unterscheiden. Einige ostdeutsche Bundesländer (z. B. Sachsen-Anhalt) hatten überdurchschnittliche Verordnungsraten für Kinder, aber unterdurchschnittliche Verordnungsraten für Erwachsene.3,7

  • Ungeachtet des allgemeinen Rückgangs der Verschreibungsraten, waren die jeweiligen Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen sehr groß.
  • Die Raten unterschieden sich regional um das fast 4-fache bei Minderjährigen (0-17 Jahre) und um das mehr als 2-fache bei Erwachsenen (≥18 Jahre).
  • Verschreibungsraten waren in Westdeutschland höher als in Ostdeutschland, wobei sich dieses Gefälle bei Minderjährigen zwischen 2010 und 2018 noch weiter vergrößert hat.
  • In sämtlichen Altersgruppen waren die höchsten Verschreibungsraten in der Umgebung der Westgrenze Deutschlands zu finden.

Erwachsene im Alter von ≥18 Jahren

Die Regionen mit den höchsten Verschreibungsraten lagen in der Nähe der westlichen Grenze Deutschlands (mit Ausnahme von Baden-Württemberg) und der Region Rheinland-Pfalz.

Kinder und Jugendliche im Alter von 0-17 Jahren

Die höchsten Verschreibungszahlen fanden sich vor allem in Regionen an der westlichen Grenze Deutschlands (ausgenommen Baden-Württemberg), in Rheinland-Pfalz und im Nordosten Bayerns.

Abbildung 2 Alters- und geschlechtsstandardisierte Verschreibungsraten (Verordnungen pro 1000 Personen/Jahr) von Antibiotika, nach Region, Erhebung im Jahr 2018

Erste Hilfe bei einer Antibiose – Damit Antibiotika nur Gutes tun!

Die Identifizierung der Ursachen für die anhaltend hohen Verschreibungsraten in bestimmten Regionen könnte hilfreich sein, um wirksame und maßgeschneiderte Maßnahmen zur weiteren Verbesserung und einer verantwortungsvollen Verordnung in diesen Regionen zu entwickeln. Im besten Fall werden dann Antibiotika nur verschrieben, wenn eine behandlungsbedürftige bakterielle Infektion besteht. Nichtsdestotrotz, sollte das Mikrobiom bereits ab dem ersten Einnahmetag zusätzlich unterstützt werden. Studien zeigen, dass Antibiosen teils erheblichen Einfluss auf das Darmmikrobiom haben und so zu unerwünschten Begleiterscheinungen führen können, wie z.B. Durchfall, Blähungen, Bauschmerzen oder Pilzinfektionen. Besonders bei den häufig eingesetzten Amoxicillinen und Cephalosporinen.8 Das heißt, die intestinale Mikrobiota kann und sollte am besten schon während einer Antibiotikabehandlung unterstützt werden, um Beschwerden zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren.
Dafür eignen sich speziell ausgewählte mikrobiologische Präparate (Microbioticum) zum Ausgleich der Dysbalance der Darmflora während der Antibiose (z.B. durch Innovall® AB+). Die darin enthaltenen Bakterienstämme können das Mikrobiom weniger empfindlich gegenüber der Antibiotika-Behandlung machen, wodurch es ab dem 1.Tag stabilisiert und schneller regeneriert wird.9

Abbildung 3 Innovall® AB+ stabilisiert das Mikrobiom und bewirkt nach kurzer Zeit

Nicht zuletzt konnten bei den Patienten die das Probiotikum einnahmen, Antibiotika-bedingte Begleiterscheinungen wie Durchfall, Blähungen, Bauchschmerzen und Fieber deutlich reduziert werden.10

 

Abbildung 4 Reduziert signifikant die unerwünschten Wirkungen einer Antibiose

 

 

Abbildung 5 AAD-Inzidenz halbiert (links), AAD-Dauer halbiert (rechts)

1Chatterjee, A.; Modarai, M.; Naylor, N.R.; Boyd, S.E.; Atun, R.; Barlow, J.; Holmes, A.H.; Johnson, A.; Robotham, J.V. Quantifying Drivers of Antibiotic Resistance in Humans: A Systematic Review. Lancet Infect. Dis. 2018, 18, e368–e378.
2European Centre for Disease Prevention and Control Antimicrobial Consumption in the EU/EEA—Annual Epidemiological Report. 2019. Available online: https://www.ecdc.europa.eu/sites/default/files/documents/Antimicrobial-consumption-in-the-EU-Annual-Epidemiological-Report-2019.pdf
3Scholle O, Asendorf M, Buck C, Grill S, Jones C, Kollhorst B, Riedel O, Schüz B, Haug U. Regional Variations in Outpatient Antibiotic Prescribing in Germany: A Small Area Analysis Based on Claims Data. Antibiotics. 2022; 11(7):836
4Scholle O, Asendorf M, Buck C, Grill S, Jones C, Kollhorst B, Riedel O, Schüz B, Haug U. Regional Variations in Outpatient Antibiotic Prescribing in Germany: A Small Area Analysis Based on Claims Data. Antibiotics. 2022; 11(7):836
5Busse, R.; Blümel, M.; Knieps, F.; Bärnighausen, T. Statutory Health Insurance in Germany: A Health System Shaped by 135 Years of Solidarity, Self-Governance, and Competition. Lancet 2017, 390, 882–897.
6Holstiege, J.; Schulz, M.; Akmatov, M.K.; Steffen, A.; Bätzing, J. Outpatient Use of Systemic Antibiotics in Germany from 2010 to 2018—A Population-Based Study. Available online: https://www.versorgungsatlas.de/themen/alle-analysen-nach-datum-sortiert/?tab=6&uid=104
7Augustin, J.; Mangiapane, S.; Kern, W.V. A Regional Analysis of Outpatient Antibiotic Prescribing in Germany in 2010. Eur. J. Public Health 2015, 25, 397–399.
8Mohsen S, Dickinson JA, Somayaji R. Update on the adverse effects of antimicrobial therapies in community practice. Can Fam Physician. 2020 Sep;66(9):651-659
9Engelbrektson et al. J Med Microbiol. 2009; 58(Pt 5):663-70.
10Ouwehand et al. Vaccine. 2014; 32(4):458-63.

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Von Wissenschaftlern geprüft