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Überlappende Symptome beim Reizdarm und der Divertikelkrankheit: Wie differenzieren Sie die Krankheitsbilder?

 Patienten mit funktionellen Darmbeschwerden sind oft aufwendig in der Diagnostik und Beratung – auch, da sich die Symptome nicht leicht abgrenzen lassen. Mit diesen Tipps unterscheiden Sie rasch zwischen Beschwerden des Reizdarms und der Divertikelkrankheit.

Reizdarm und Divertikelkrankheit: Überlappende Symptomatik

Chronische und intermittierende abdominelle Beschwerden sind weit verbreitet. Patienten, mit chronischen Bauchschmerzen, leiden besonders häufig an einer von zwei Formen funktioneller Darmbeschwerden, bei denen es sich trotz symptomatischer Überschneidungen um zwei unterschiedliche Erkrankungen handelt:

  1. Das Reizdarmsyndrom (RDS) meist gekennzeichnet durch chronische Beschwerden (≥ 3 Monate) wie Schmerzen, Blähungen, Durchfall und/oder Verstopfung ohne das Vorhandensein kausaler organischer Veränderungen. Im Jahr 2017 erhielten 1,1 Millionen Menschen in Deutschland die Diagnose RDS, Frauen doppelt so häufig wie Männer. Vor allem jüngere Menschen zwischen 20 und 30 Jahren sind vermehrt betroffen.1
  2. Die symptomatische unkomplizierte Divertikelkrankheit (SUD) ist dagegen die häufigste klinische Erscheinungsform einer Divertikelkrankheit. Charakteristisch herrscht eine ähnliche Symtomatik wie beim Reizdarmsyndrom, wobei gleichzeitig Divertikel im Bereich des Dickdarms vorliegen.2

Viele Divertikel-Patienten mit Darmbeschwerden erhalten aufgrund der großen symptomatischen Überschneidung zunächst die Fehldiagnose Reizdarm.3  Die richtige Diagnose ist jedoch entscheidend – denn es besteht stets das Risiko, dass aus einer zunächst symptomatisch unkomplizierten Divertikelkrankheit eine Divertikulitis entwickelt.2

Checkliste: Mit einfachen Fragen schnell differenzieren

Trotz der überlappenden Symptomatik gibt es bereits in der Beschreibung der Beschwerden erste Hinweise darauf, ob Sie eher ein Reizdarmsyndrom oder eine symptomatische unkomplizierte Divertikelkrankheit in Betracht ziehen sollten. So sind beispielsweise die Schmerzen bei Divertikel-Patienten typischerweise im linken Unterbauch lokalisiert, beim Reizdarmsyndrom sind sie eher diffus.4

Weitere Unterscheidungsmerkmale finden Sie in der folgenden Tabelle:

MerkmalReizdarmsyndromSymptomatische unkomplizierte Divertikelkrankheit
Alterjünger /ca. 20-50 Jahre)älter (> 60 Jahre)
Schmerzlokationdiffuslinker Unterbauch
Schmerzmusterhäufig, aber von eher kurzer Dauermit längeren Pausen, lang anhaltend (>23 Std.)
Nächtliches Erwacheneher nichtkann auftreten
Gefühl nach StuhlgangVerbesserungkeine Verbesserung

2 Krankheitsbilder – 2 Therapieansätze!

Trotz der ähnlichen Symptomatik sollte eine differenzierte und zielgerichtete Behandlung auf Basis der Pathophysiologie erfolgen. Für das Reizdarmsyndrom gibt es die Möglichkeit, direkt der bakteriellen Dysbiose und deren symptomatischen Auswirkungen im Darm entgegenzuwirken (Mikrobiom-Modulation). Lactobacillus plantarum 299v (Lp299v®) zur Verbesserung der klinischen Symptomatik in der Therapie des Reizdarmsyndroms.7,8

Bei der symptomatischen unkomplizierten Divertikelkrankheit gibt es inzwischen auch gute Evidenz für die Mikrobiom-Modulation mit einem spezifischen Bakterienstamm. Lactobacillus casei DG (LcDG®) zur Therapie und Rezidiv-Prophylaxe bei der symptomatischen unkomplizierten Divertikelkrankheit.9

Wichtig bei einer nachgewiesenen symptomatischen Divertikelkrankheit ist die Primär- und Sekundär-Prophylaxe einer akuten Divertikulitis. Prof. Gross erklärt den Leidensdruck der Patienten: “Wer schon einmal eine akute Divertikulitis durchlebt habe, sei immer in Sorge vor einem erneuten akuten Schub. Zur Divertikulitis-Prävention gibt es nach derzeitigem Stand keine zugelassenen Arzneimittel; auch die deutschen S2k-Leitlinien sprechen diesbezüglich keine Empfehlung aus. Die klassischen Medikamente sind bei diesem Krankheitsbild nicht zugelassen und häufig nicht effektiv. Darum ist es so hilfreich, dass man mit einer probiotischen Therapie für die Patienten tatsächlich gute Effekte erreichen kann.“ 10 Forscher konnten in einer randomisierten, placebokontrollierten, doppelblinden Studie mit über 200 symptomatischen Divertikel-Patienten zeigen, dass sich unter der Einnahme von L. casei DG® über einen Zeitraum von 12 Monaten, das Auftreten einer akuten Divertikulitis um 85 % reduzierte.9 Demnach hat die mikrobiotische Therapie auch ein großes Potenzial zur Divertikulitis-Prophylaxe.

Quellen

  1. Grobe TG et al. Arztreport 2019. Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse. BARMER 2019.
  2. Carabotti M et al. Treatment of diverticular disease: an update on latest evidence and clinical implications. Drugs Context. 2018; 7: 212526.
  3. Kvasnovsky CL et al. Clinical and symptom scores are significantly correlated with fecal microbiota features in patients with symptomatic uncomplicated diverticular disease: a pilot study. Eur J Gastroenterol Hepatol. 2018 Jan;30(1):107-112.
  4. Scarpignato C et al. Management of colonic diverticular disease in the third millennium: Highlights from a symposium held during the United European Gastroenterology Week 2017. Therap Adv Gastroenterol. 2018; 11: 1756284818771305.
  5. Saha L et al. Irritable bowel syndrome: Pathogenesis, diagnosis, treatment, and evidence-based medicine. World J Gastroenterol. 2014 Jun 14; 20(22): 6759–6773.
  6. Rezapour M et al. Diverticular Disease: An Update on Pathogenesis and Management. Gut Liver. 2018 Mar; 12(2): 125–132.
  7. Ducrotté P et al. Clinical trial: Lactobacillus plantarum 299v (DSM 9843) improves symptoms of irritable bowel syndrome. World J Gastroenterol. 2012 Aug 14; 18(30): 4012–4018.
  8. Didari T et al. Effectiveness of probiotics in irritable bowel syndrome: Updated systematic review with meta-analysis. World J Gastroenterol. 2015 Mar 14;21(10):3072-84.
  9. Tursi A et al. Randomised clinical trial: mesalazine and/or probiotics in maintaining remission of symptomatic uncomplicated diverticular disease—a double-blind, randomised, placebo-controlled study. Aliment Pharmacol Ther. 2013 Oct;38(7):741-51. Leifeld L et al.
  10. S2k Leitlinie Divertikelkrankheit / Divertikulitis. AWMF-Registernr. 021/20, Stand: 2013.
Von Wissenschaftlern geprüft