MICROBIOTICA mikrobiologische Präparate

Allgemeine Informationen rund um den Darm

Der Darm ist unser größtes Organ. Gemessen sind es 5-6 kurvenreiche Meter vom Mund bis zum After, wobei der Dünndarm den längsten Abschnitt bildet. Hier werden v.a. die Nährstoffe aus der Nahrung aufgenommen. Wäre der Dünndarm ein glatter Schlauch, würde seine Oberfläche für diese Aufgabe nur ca. einen halben Quadratmeter darstellen. Falten, Zotten und mikroskopisch kleine Zell-Ausstülpungen vergrößern jedoch die Oberfläche des Darms und verleihen ihm eine Gesamtfläche, die ca. so groß ist wie ein 1-Zimmer-Apartment. Einen Meter des gesamten Verdauungstrakts nimmt in etwa der Dickdarm ein. Hier werden übriggebliebene schwer verdauliche Nahrungsbestandteile von unserer Darmflora aufgeschlossen und Wasser aus dem Nahrungsbrei entzogen.

Es wird geschätzt, dass etwa 1000 verschiedene Bakterienarten im Darm vorkommen. Sie wandeln die unverdauten Nahrungsbestandteile in kurzkettige Fettsäuren um und setzen Gase wie Kohlendioxid, Wasserstoff und Methan frei. Kurzkettige Fettsäuren wie Milch-, Essig-, Propan- und Buttersäure dienen dann als Energiequelle, sowohl für die Bakterien als auch für die Zellen, die den Darm auskleiden. Außerdem sorgen sie dafür, dass die  Darmschleimhaut regelmäßig erneuert wird und somit intakt bleibt.

Doch er kann noch viel mehr als nur Verdauen!

Unser Darm ist ein multifunktionales Organ: sensibel, leistungsbereit und verantwortungsbewusst. Neben der Verdauung wird eine Vielzahl lebensnotwendiger Prozesse durch den Darm gesteuert. Der Darm ist quasi für unseren Körper das Tor zur Außenwelt. Da ist es nicht verwunderlich, dass unglaubliche 80 % unseres Immunsystems im Darm stationiert sind. Von ihm wird überprüft, welcher aufgenommene Stoff schädlich oder gutartig ist. Vor allem in der Kindheit, wo das Immunsystem noch im Aufbau ist, dient der Darm als Immunzellen-Trainingslager. Jedes angelutschte Spielzeug trägt dazu bei.

Außerdem besitzt er nach unserem Gehirn das größte Nervensystem. Das Bauchgefühl täuscht uns also nicht, denn Darm und Gehirn kommunizieren miteinander. Man kann sozusagen von einem Bauchhirn sprechen. Die Forschung geht sogar davon aus, dass unsere Gefühlswelt oder unser Verhalten durch den Darm beeinflusst werden. Wussten Sie, dass 95% des sogenannten Glückshormons Serotonin im Darm gebildet werden? Weniger bekannt ist nämlich, dass der Darm auch unser größtes Hormon-Bildungs-Organ ist. Hier werden über 30 verschiedene Hormone gebildet, die direkten Einfluss auf unterschiedliche Körperfunktionen haben.

Stellt man sich den Darm als ein komplexes Ökosystem vor, dann braucht er für die Bewältigung seiner vielfältigen Aufgaben vor allem aktive Mit­arbeiter und sinnvolle Schutzbarrieren. Die Darmflora, offiziell auch Mikrobiota genannt, geht komplexe Wechselbeziehungen mit sich selbst und uns als menschlichem Wirt ein. Es handelt sich also nicht um eine schädliche Koexistenz, sondern um eine symbiotische Beziehung, bei der jeder von dem anderen profitiert.