So gelingt die Zöliakie-Diagnose bei Erwachsenen und Kindern

Bei einer Zöliakie handelt es sich um eine derzeit nicht heilbare immunologisch bedingte Nahrungsmittelintoleranz (Autoimmunerkrankung) gegenüber Gluten. Andere Fachbegriffe für Zöliakie sind die glutensensitive Enteropathie und die einheimische Sprue. Der Körper der Betroffenen reagiert selbst auf kleinste Mengen des Weizenklebereiweißes Gluten, das Bestandteil der Getreidesorten Weizen,
Roggen, Gerste und Dinkel ist und damit unter anderem in Backwaren und Nudeln steckt. Allein anhand der Zöliakie-Symptome lässt sich die Krankheit nicht eindeutig nachweisen, was die Diagnostik erschwert.

Doch welche Möglichkeiten haben Mediziner*innen, um der chronischen Erkrankung auf die Spur zu kommen?

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei der Zöliakie-Diagnostik setzen Mediziner*innen auf verschiedene Untersuchungsmethoden.
  • Neben Blutuntersuchungen ist eine Gewebeentnahme (Biopsie) nötig.
  • Eine Biopsie bei Kindern ist unter gewissen Umständen nicht nötig.
  • Solange die Diagnostik noch nicht abgeschlossen ist, sollten sich Patient*innen weiterhin normal ernähren.

Darum ist eine frühestmögliche Diagnose wichtig

Gluten/Weizensensitivität (auch oft Gluten-oder Weizenintoleranz genannt), Weizenallergie, Zöliakie oder doch ein Reizdarm? Viele Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Erkrankungen haben ähnliche Symptome wie eine Zöliakie. Dazu kommt, dass Zöliakie-Symptome auch außerhalb des Darms auftreten können, häufig sind z.B. Osteoporose oder Blutarmut (Anämie). Zwar ist die Zöliakie noch nicht heilbar, trotzdem ist eine eindeutige Diagnose wichtig, um die richtige Behandlung einzuläuten. Denn Zöliakie ist eine ernstzunehmende Erkrankung: nehmen Betroffene Gluten auf, führt das zu einer unangenehmen Entzündung der Darmschleimhaut. Genau dadurch bilden sich die Darmzotten zurück (Zottenatrophie) – eine sehr schwerwiegende Entwicklung, denn die Darmzotten sorgen für die Nährstoffaufnahme in Blut und Lymphe.1 Fehlt es dem Körper dauerhaft an Nährstoffen, können daraus vielfältige Probleme wie eine Mangelernährung entstehen. Nicht zuletzt beeinträchtigen die Beschwerden auch den Alltag. Eine frühzeitige Diagnose kann Betroffenen Sicherheit geben und dabei helfen, die Symptome langfristig zu lindern.

Wie wird Zöliakie diagnostiziert?

Um eine Zöliakie sicher zu diagnostizieren, sind mehrere Maßnahmen erforderlich. Insbesondere um eine Weizenallergie, Weizensensitivität oder ein Reizdarmsyndrom auszuschließen. Folgende Säulen sind laut ärztlicher Leitlinie bei der Zöliakie-Diagnose wichtig:2

  • Anamnese
  • Wirkung von Gluten auf die Beschwerden
  • Blutuntersuchung
  • Gewebeuntersuchung (Biopsie)

1. Zöliakie-Anamnese

Bei der Anamnese werden vor allem erstmal alle vorliegenden Beschwerden abgefragt. Dazu gehören u.a. Symptome wie Durchfall, Blähbauch, Bauchschmerzen, Übelkeit, Gewichtsverlust, bei Kindern Wachstumsstörungen. Im Anschluss an die Anamnese erfolgt in der Regel eine körperliche Untersuchung, bei der der Body-Maß-Index (BMI), das Gewicht und die Größe bestimmt werden.3

2. Wirkung von Gluten auf die Beschwerden

Bei Verdacht auf eine Zöliakie muss vor Einleitung nachfolgender Diagnostik-Schritte (Serologie, Endoskopie) die Gluten-Zufuhr in der Ernährung der Betroffenen in einem Ernährungs- bzw. Symptomtagebuch dokumentiert werden. Das bedeutet, dass Patient*innen bis zum Abschluss der Diagnostik nicht auf Gluten in der Nahrung verzichten oder es reduzieren dürfen. Dies könnte die Blut- und Gewebeuntersuchungen sonst stark beeinflussen. Empfohlen wird der regelmäßige Verzehr von glutenhaltigen Lebensmitteln an mindestens 1-2 oder besser noch 3-4 Mahlzeiten am Tag.2

Während der Zöliakie-Diagnose darf in der Ernährung nicht auf Gluten verzichtet werden. Eine Gluten-Vermeidung beeinflusst die Testergebnisse.

3. Zöliakie-Blutuntersuchung

Wenn Zöliakie-Patient*innen mit Gluten in Berührung kommen, bildet ihr Organismus spezielle Antikörper gegen die Gewebetransglutaminase (tTG-IgA-Antikörper), ein Enzym im Dünndarm. Mediziner*innen können mit einer Blutuntersuchung diese Zöliakie-Antikörper bestimmen, auch wenn Betroffene gerade symptomfrei sind. Allerdings steht davor eine wichtige Untersuchung an: zunächst muss ein sogenannter genetisch bedingter IgA-Mangel ausgeschlossen werden, der bei etwa 2% der Zöliakie-Betroffenen vorkommt. Die Suche nach einem IgA-Mangel ist aus zweierlei Gründen wichtig. Zum einen handelt es sich dabei um einen genetischen Immundefekt, der bekannt sein sollte. Zum anderen können die Antikörpertests gegen die Gewebstransglutaminase bei einem entsprechenden IgA-Mangel nicht zum Einsatz kommen – da sie stets negativ ausfallen.2,4 Nicht empfohlen werden Speichel- oder Stuhltests.

4. Zöliakie-Gewebeuntersuchung

Die Anamnese und der positive Nachweis von Zöliakie-Antikörpern reichen für eine Zöliakie-Diagnose bei Erwachsenen nicht aus. Auch wenn für die Zöliakie-Diagnose das Blut unverzichtbar ist, liefert es leider nur einen verstärkten Hinweis auf eine Zöliakie. Eine zweifelsfreie Diagnose gelingt nur mithilfe einer Gewebeuntersuchung im Dünndarm. Wie bei der Blutuntersuchung auch, ist es wichtig, dass Betroffene in der Zeit der Diagnose-Untersuchungen nicht auf Gluten in der Ernährung verzichten, da dies die Ergebnisse verfälschen kann. Bei einer histologischen Untersuchung werden in einer gastroenterologischen Praxis mittels einer Endoskopie kleine Gewebeproben (Biopsie) aus dem oberen Teil des Dünndarms entnommen. Die Proben der Dünndarmschleimhaut werden auf den bei einer Zöliakie typischen Schwund der Dünndarmzotten untersucht (Zottenatrophie). Den Zustand des Gewebes beurteilen die Mediziner*innen dann mit den sogenannten Marsh-Kriterien. Dabei gilt: je höher der Grad, desto stärker sind die Darmzotten in Mitleidenschaft gezogen.1

Gut zu wissen!

Die Diagnose Zöliakie kann erst eindeutig gestellt werden, wenn diese drei Punkte erfüllt sind:
• positive Zöliakie-Blutuntersuchung
• positive Zöliakie-Biopsie (Marsh 2 oder Marsh 3)
• Besserung der Antikörperwerte im Blut unter glutenfreier Diät

⚠ Achtung!

Erst nach der Blutuntersuchung und der Biopsie sollte die glutenfreie Ernährung starten, damit die Untersuchungsergebnisse nicht verfälscht werden.4 Nach der Zöliakie-Diagnose werden Patient*innen nicht alleine gelassen. Mediziner*innen erklären Ihnen, auf was Sie bei der Ernährung nun achten müssen. Außerdem erhalten Betroffene eine ernährungstherapeutische Beratung – eine Ernährungsfachkraft vermittelt dabei die neuen Grundsätze für eine glutenfreie Ernährung.2 Für Betroffene bietet die deutsche Zöliakie-Gesellschaft zudem eine spezielle Zöliakie-Ernährungssprechstunde und viele weitere Informationen an.

Bei Zöliakie-Patienten führt die Zufuhr von Gluten zu einer Entzündung in der Darmschleimhaut und Schwund der Zotten (Fachbegriff: Zottenatrophie; rechts).

Zöliakie bei Kindern: Diagnose ohne Biopsie möglich?

Eine Biopsie bei dem eigenen Kind? Alleine der Gedanke verunsichert Eltern und bereitet Sorgen. Glücklicherweise konnten Untersuchungen nahelegen, dass die Höhe des Zöliakie-Antikörper-Spiegels in vielen Fällen bei Kindern und Jugendlichen mit der Ausprägung der Schleimhautveränderung zusammenhängt. Das bedeutet: unter Umständen ist eine Biopsie nicht nötig. Die Leitlinien der europäischen Gesellschaft für Kindergastroenterologie (ESPGHAN) führen Kriterien auf, wie die Erkrankung sicher, auch ohne Biopsie, diagnostiziert werden kann. Das ist vor allem für Eltern beruhigend, bei denen eine Zöliakie-Diagnose beim Kleinkind aussteht.5
Die deutsche Zöliakie-Gesellschaft weist darauf hin, dass folgende Kriterien für eine Biopsie-freie Diagnose bei Kindern erfüllt sein müssen:4

  • Der tTG-IgA-Antikörper liegt mindestens 10-fach über dem normal gültigen Grenzwert.4
  • In einer zweiten Blutentnahme zeigen sich die Endomysium-(EmA)-IgA-Antikörper ebenfalls positiv.4

Die Zöliakie gilt in dem Fall als gesichert. Achtung: erst ab diesem Zeitpunkt sollte die glutenfreie Ernährung starten, damit die Untersuchungsergebnisse nicht verfälscht werden.4

Bei Kindern und Jugendlichen kann eine Blutuntersuchung für die Zöliakie-Diagnose ausreichen.

Gut zu wissen!

Sie möchten mehr über die Zöliakie-Diagnose beim Doktor und über Zöliakie-Blutwerte erfahren? Dann lesen Sie sich am besten den Diagnostikflyer für Erwachsene und den Diagnostikflyer für Kinder der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft durch.

Was können Darmbakterien bei einer Zöliakie leisten?

Die Darmschleimhaut kann durch eine Zöliakie stark beeinträchtigt sein. Schließlich löst Gluten bei Erkrankten eine sehr unangenehme Darmschleimhaut-Entzündungen aus. Genau diese Entzündungen können das Wohlbefinden und die körpereigene Abwehrkraft gegenüber Krankheitserregern schwächen. Auch wenn Lebensmittel als glutenfrei deklariert sind, können sie bis zu 20ppm (20mg/kg) Gluten enthalten. Darüber hinaus kann es durch verschiedene Faktoren zu Ernährungsfehlern kommen, wodurch gelegentlich kleinere Mengen an Gluten in die Nahrung gelangen. Die gute Nachricht ist, dass spezifische probiotische Bakterienstämme womöglich dabei helfen könnten, restliche Gluten-Moleküle einer eigentlich glutenfreien Zöliakie-Ernährung abzubauen und dadurch Entzündungsreaktionen bzw. Verdauungsbeschwerden reduzieren. Bei Menschen die keine diagnostizierte Zöliakie haben, aber gluten-sensitiv sind, könnte der Abbau von Gluten durch spezifische probiotische Bakterienstämme dabei helfen, den Gluten-Gehalt im Darm unter die individuelle Verträglichkeitsschwelle zu bringen, damit die Reizdarm-ähnlichen Beschwerden gelindert werden. An dieser vorteilhaften Wirkung von Probiotika arbeiten Forscher derzeit unter Hochdruck.

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FAQ

Welche Blutwerte sind bei Zöliakie erhöht?

Bei Betroffenen mit Zöliakie können Antikörperwerte gegen die Gewebetransglutaminase (tTG-IgA-Antikörper) erhöht sein.

Ist die Zöliakie-Diagnostik bei Erwachsenen und Kindern gleich?

Nicht unbedingt. Bei Erwachsenen gehört eine Biopsie zur Standarddiagnostik, bei Kindern kann unter Umständen bei erhöhten Antikörperwerten auf eine Gewebeentnahme verzichtet werden.

Wo hat man bei Zöliakie Schmerzen?

Die Zöliakie kann mit sehr unterschiedlichen Symptomen in Verbindung stehen. Patient*innen geben oft an, dass sie unter Bauchschmerzen, Durchfällen oder Blähungen leiden. Allerdings sind auch Kopfschmerzen oder weitere Beschwerden möglich.

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