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Das Reizdarmsyndrom (RDS) –
Wie erkenne und behandle ich es?

Häufig Bauchschmerzen, Blähbauch, Durchfall oder Verstopfung?  

Dann sind Sie nicht alleine. Etwa jeder 5. in Deutschland (66 % davon Frauen) leidet an dem sogenannten Reizdarmsyndrom. Somit ist Reizdarmsyndrom eine der häufigsten Magen-Darm-Erkrankungen in Deutschland. Durchfall, Verstopfung, Blähungen oder Bauchschmerzen bestimmen den Alltag von Betroffenen, oft über Jahre hinweg. Der Gang zur Arbeit, ein Kinobesuch oder Essen mit Freunden kann so schon zur Last werden und die Lebensqualität beeinträchtigen.1  

Reizdarmsyndrom: Symptome

  • Bauchschmerzen, Druckgefühl, vor allem im Unterbauch, und Völlegefühl
  • Blähbauch und Blähungen
  • Durchfall oder Verstopfung, oft auch beides im Wechsel
  • Gefühl der unvollständigen Darmentleerung
  • Imperativer Stuhldrang (Druckgefühl oder Schmerzen im Bauch, einhergehend mit starkem Stuhldrang)

Die unterschiedlichen Reizdarm Symptome können getrennt voneinander, aber auch in Kombination oder im Wechsel auftreten. Es gibt keine einheitliche Symptomatik, sondern vielmehr individuelle Auswirkungen bei den Betroffenen.

Das Reizdarmsyndrom ist meist durch mehrere Beschwerden gekennzeichnet.

Jeder Reizdarm ist anders

Symptome und Verlauf sind nicht bei jedem Betroffenen gleich. Deswegen unterscheiden Ärzte drei Haupttypen des Reizdarmsyndroms (RDS), abhängig von den vorherrschenden Symptomen und Auffälligkeiten des Stuhlgangs:

Das vorherrschende Symptom bestimmt den Reizdarm-Typ
  • Durchfalltyp: Betroffene leiden mehrmals täglich unter weichem bis sehr flüssigem Stuhl.
  • Verstopfungstyp: Charakteristisch ist ein harter Stuhl, den Patienten nur selten und mit großer Mühe abgeben können.
  • Mischtyp: Sowohl Durchfall als auch Verstopfung sind typisch und innerhalb eines Tages möglich.

Vermehrt teilt die Medizin Reizdarm-Patienten auch einer vierten, unklaren Ausprägung zu (RDS-U, U = undefined), bei der die Stuhlunregelmäßigkeiten keinem der drei anderen Typen (RDS-D, RDS-O, RDS-M) zugeordnet werden können. Innerhalb der Reizdarm-Typen kann es Patienten geben, die vermehrt zu Blähungen und einem Blähbauch neigen – und dadurch an noch stärker ausgeprägten Bauchschmerzen leiden.

Wichtig: Die Typen des Reizdarmsyndroms sind nicht starr. Das heißt, dass ein Wechsel oder verschiedene Mischformen ebenso vorkommen.

Reizdarmsyndrom: Ursachen

Die genauen Auslösefaktoren des Reizdarmsyndroms waren lange Zeit unklar und Beschwerden werden teilweise immer noch als psychosomatisch eingestuft. Heutzutage decken neue Forschungsergebnisse immer mehr auf, dass ein zentraler Aspekt des Reizdarmsyndroms vermutlich ein gestörtes Darm-Mikrobiom (medizinisch: eine Dysbiose) bzw. eine geschädigte Darmbarriere ist. Dies kann unter anderem die Folge einer vorausgegangenen Darminfektion, Antibiotika-Therapie, Operation oder auch einer längeren Medikamenten-Einnahme sein. Auch äußere Faktoren wie Stress, ungünstige Essgewohnheiten und körperliche Belastung sind mögliche Auslöser einer Dysbiose.2 Man spricht also von einer multifaktoriellen Erkrankung.

Zu den häufigen Einflussgrößen zählen:

  • Veränderte Darmflora (Dysbiose)
  • Psychische Einflüsse wie Stress, Angst, Kummer und Ärger
  • Vergangene Infektionen des Magen-Darm-Traktes
  • Störungen des Darmnervensystems
  • Längere Medikamenteneinnahme
Die Ursachen des Reizdarms sind vielfältig. Meist gibt es nicht nur einen Auslöser.
Beim Reizdarmsyndrom liegt eine gestörte Darmflora vor.

Reizdarm durch Ungleichgewicht der Darmflora

Ist die Darmflora (auch Mikrobiota genannt) im Ungleichgewicht, d.h. es zeigt sich eine veränderte Zusammensetzung als im gesunden Zustand, spricht man von einer Dysbiose. Eine Dysbiose kann beispielsweise u.a. durch Medikamente, Magen-Darm-Erkrankungen oder chronischen Stress hervorgerufen werden.3 Auch bei einem Reizdarmsyndrom hat sich gezeigt, dass bei den Betroffenen eine Dysbiose zugrunde liegt. Die falsche Zusammensetzung der Darmbakterien kann weitreichende Folgen haben.

Dazu gehören:

  • eine durchlässige Darmwand (ein sog. Leaky Gut)
  • die Störung des Darmnervensystems und
  • Irritationen des Immunsystems (dies führt zu chronischen unterschwelligen Entzündungen)

Die Darmbarriere – Schutzwall zur Außenwelt

Die Darmbarriere besteht aus 3 Schutzmechanismen (Mikrobiota, Darmschleimhaut und Immunsystem), die zum einen verhindern, dass Schadstoffe und Krankheitserreger aus der Außenwelt durch die Darmwand ins Körperinnere eindringen, und zum anderen dennoch die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme ermöglichen.
Je vielfältiger sich die Darmbakterien zusammensetzen, desto besser. Zentrale Aufgaben der Darmbakterien sind z. B. Unterstützung der Verdauung, Stärkung des Immunsystems und Verdrängung von Krankheitserregern.

Die Darmwand besteht aus einem dichten Zellverband, der durch die mechanische Barriere das unerwünschte Eindringen von Fremdstoffen und Keimen in das Körperinnere verhindert, für Nährstoffe und Flüssigkeiten jedoch durchlässig ist. Ganz schön intelligent! Zusammengehalten werden die Zellen durch sog. Tight Junctions. Das sind Proteinstrukturen, die man sich als den Mörtel zwischen den Zellen vorstellen kann, der die Zellen dicht zusammenhält. Darauf liegt eine Schleimschicht (Mukus). Diese beherbergt einen Großteil der Darmbakterien, deren Stoffwechselprodukte (z.B. Butyrat) wiederum die Schleimschicht und die darunter liegende Darmwand und die Tight Junctions stärken.

Eine gesunde Darmbarriere verhindert, dass Fremdstoffe und krankmachende Keime in den Blutkreislauf gelangen.
Ein Leaky Gut bedeutet, dass die Darmbarriere geschädigt und u.a. durchlässig für Krankheitserreger ist.

Was ist das Leaky Gut Syndrom?

Der Begriff „Leaky Gut“ bedeutet nichts anderes als „durchlässiger Darm“. Das heißt, die Darmbarriere ist gestört und kann Giftstoffe, Krankheitserreger und Allergene nicht mehr abwehren.  Das begünstigt u.a. Infektionen, Allergien und im Fall des Reizdarmsyndroms chronische unterschwellige Entzündungen. Ursache ist, dass die Dysbiose auch zu veränderten Stoffwechselprodukten der Bakterien führt. Das hat Auswirkungen auf die Regeneration der Darmbarriere. Die Folge ist:

  • Reduzierte Schleimschicht: Oft sehr dünne und durchlässige Schleimschicht – die Darmbarriere wird geschwächt.
  • Gelockerte Tight Junctions (Zellverbindungen): Durchlässiger Zellverband – Krankheitserreger können leichter eindringen.

Die unterschwelligen Entzündungen sind bei einer Darmspiegelung jedoch nicht sichtbar. Deshalb können bei einem Reizdarmsyndrom auch keine organischen Veränderungen festgestellt werden.

Menschen mit einem Reizdarmsyndrom nehmen Schmerzen offenbar intensiver wahr

Die Darmflora ist unter anderem an der Regulation des Darmnervensystems beteiligt. Ist die Darmflora ungünstig verändert, kann sich dies auf die Kommunikation zwischen Darm und Nervensystem auswirken. Die Folge sind beim Reizdarmsyndrom Verdauungsstörungen (z.B. Durchfall, Verstopfung) durch eine gestörte Darmbewegung (zu langsam oder zu schnell) sowie ein erhöhtes Schmerzempfinden.

Die irreguläre Kommunikation zwischen Darmflora und Nervensystem führt zu einer
gestörten Darmbewegung und einem erhöhten Schmerzempfinden.
Auch die Darm-Hirn-Achse spielt beim Reizdarmsyndrom eine Rolle

Reizdarm durch psychische Einflüsse

Der Zusammenhang zwischen der Psyche und der Bakterienbesiedelung innerhalb des Magen-Darm-Traktes gilt schon einige Zeit als erwiesen. Die Darm-Hirn-Achse ist für die Steuerung von Hungergefühl und Appetit verantwortlich, ebenfalls aber für Emotionen und kognitive Prozesse.4 Ein Ungleichgewicht dieser Mechanismen kann sich also negativ auf den Magen-Darm-Trakt auswirken. Das bestätigt auch die Symptomatik einiger Reizdarm-Patienten: Laut wissenschaftlichen Studien, leiden etwa 40-60 Prozent der Patienten mit Reizdarmsyndrom gleichzeitig an psychischen Erkrankungen wie Ängsten, Depressionen oder Stress.5

Reizdarm durch Infektionen des Magen-Darm-Traktes

Ein Reizdarm kann mitunter auch die Folge einer vorausgegangenen Infektion des Magen-Darm-Traktes sein.6 Magen-Darm-Infektionen gehören zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Hierbei sind die Schleimhäute des Magens und des Dünndarms entzündet, wodurch es zu Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Durchfall kommen kann. Je nach Ausprägungsgrad kann es auch zu Schwindel, Fieber oder Gewichtsverlust kommen.7

Reizdarm durch Störungen des Darmnervensystems

Die Ursache eines Reizdarms kann auch in der gestörten Funktion des Darmnervensystems liegen. Grund dafür ist, dass diverse Darmfunktionen durch komplexe Wechselwirkungen des Darm- und zentralen Nervensystems reguliert werden (Darm-Hirn-Achse). Da die Darmbakterien sehr großen Einfluss auf das Darmnervensystem haben, sind diese regulierenden Wechselwirkungen durch die Dysbiose bei Patienten mit Reizdarmsyndrom oft gestört.8

Ein Reizdarm kann mitunter auch die Folge einer vorausgegangenen Infektion des Magen-Darm-Traktes sein

Reizdarm durch Medikamenteneinnahme

Neben Antibiotika kann nachweislich auch eine Einnahme von nicht-antibiotischen Medikamenten Veränderungen in der Darmflora bewirken. In einer Studie konnte herausgefunden werden, dass 24% der getesteten nicht-antibiotischen Medikamente (u.a. Protonenpumpeninhibitoren oder Metformin) das Wachstum von mindestens einem wichtigen Bakterienstamm im Darm hemmte. Folglich kann es auch durch die Einnahme nicht-antibiotischer Medikamente zu einem Ungleichgewicht durch fehlende Bakterienvielfalt im Darm kommen. Die Folge: das Immunsystem ist geschwächt und der Körper wird anfälliger für Störungen des Magen-Darm-Traktes.10

Reizdarmsyndrom: Diagnose

Symptome ohne krankhaften Befund?

Der Gang zum Hausarzt ist meist ernüchternd, denn trotz der Symptome können beim Reizdarmsyndrom keine organischen Ursachen (z. B. Entzündungen) festgestellt werden.

Aber wie kann es sein, dass es zu körperlichen Beschwerden kommt, obwohl mit der klinischen Diagnostik keine organische Veränderung feststellbar ist? Viele Betroffene fühlen sich in ihrem Leiden nicht ernst genommen, alleingelassen oder unzureichend untersucht. Manche beginnen an sich selbst zu zweifeln und stellen sich die Frage: Bilde ich mir alles nur ein? Nein, mit Sicherheit nicht!

Eine Anamnese ist wichtig für die Ursachenfindung des Reizdarmsyndroms

Denn schon seit einiger Zeit ist klar: Das Reizdarmsyndrom ist viel mehr als nur eine Befindlichkeitsstörung. Bauch und Psyche sind direkt miteinander verbunden. Stress, Angst, Nervosität oder Kummer können die Symptome eines Reizdarms zwar noch verstärken, sind aber nicht alleinige Auslöser. Das Reizdarmsyndrom ist also nicht auf eine einzige Ursache zurückzuführen, die Auslösefaktoren sind so individuell wie der Mensch selbst. Man spricht in dem Zusammenhang von einer multifaktoriellen Erkrankung.

Durch sorgfältiges Abfragen und gezieltes Ausschließen von Erkrankungen, die ähnliche Beschwerden auslösen (z. B. chronische Darmentzündungen, Infektionen) kann die Diagnose Reizdarm gestellt werden.

Zu diesem Ausschlussverfahren gehören unter anderem das gezielte Abfragen der Beschwerden durch den Arzt, Blut- und Stuhluntersuchungen, eine Ultraschalluntersuchung des Bauches oder ggf. auch eine Darmspiegelung (Koloskopie).

Die Kriterien, die man in der Praxis zur Diagnose eines Reizdarmsyndroms heranzieht, nennt man Rom-IV-Kriterien. Nach Ausschluss anderer Erkrankungen müssen Betroffene demnach mindestens einmal pro Woche über einen Zeitraum von mind. drei Monaten hinweg an wiederkehrenden Bauchschmerzen gelitten haben. Dies muss in Kombination mit mind. zwei der drei folgenden Beschwerden aufgetreten sein: 

  • veränderte Stuhlentleerung 
  • veränderte Häufigkeit des Stuhlgangs 
  • Änderung der Stuhlkonsistenz 

Außerdem sollte der Beginn dieser Symptome mindestens sechs Monate zurückliegen. 

Reizdarmsyndrom: Behandlung

Beim Auftreten des Reizdarmsyndroms können keine organischen Reizdarm Ursachen für die Beschwerden festgestellt werden. Daher bleibt in der Praxis nur die Möglichkeit der gezielten Behandlung der einzelnen Reizdarm-Symptome, was für einen Moment Linderung verschaffen soll.

Ebenfalls kann mit einer angepassten Reizdarm-Ernährung die Darmflora gezielt unterstützt werden. Weniger verträgliche Lebensmittel sollten vermieden werden. Auch diverse Hausmittel können Abhilfe schaffen.

In den Leitlinien für Ärzte werden dafür Medikamente, mikrobiologische oder auch pflanzliche Präparate als Möglichkeit zur Reizdarm-Behandlung in Betracht gezogen.

Reizdarm symptomorientiert behandeln?

Je nach Reizdarm-Typ werden die Patienten entsprechend ihrer im Vordergrund stehenden Beschwerden symptomatisch behandelt. Verordnet werden z.B. Abführmittel gegen Verstopfung, Anti-Durchfall- bzw. -Blähungsmittel und krampflösende Medikamente, oft auch in Kombination.
Die Reizdarm Symptome können dadurch jedoch meist nur kurzfristig verbessert werden.

Aufgrund der vielfältigen und wechselnden Symptome beim Reizdarmsyndrom kann dies auch dazu führen, dass zwar das erst im Vordergrund stehende Symptom gelindert wird, jedoch ein anderes nun in den Vordergrund rückt. Auch langfristige Probleme mit Verträglichkeit und Nebenwirkungen der Medikamente können auftreten.

Eine nachhaltige Besserung wird durch die rein symptomorientierte Reizdarm Behandlung selten erreicht, da diese Therapie nicht an den Auslösefaktoren vom Reizdarmsyndrom ansetzt.

Symptomorientierte Behandlung ist meist zu kurz gedacht
Ein Ungleichgewicht des Darmmikrobioms kann ein Reizdarmsyndrom mitverursachen

Reizdarm Therapie mit mikrobiologischen Präparaten

Reizdarm an der Wurzel packen
Um nicht nur einzelne Symptome zu lindern, sondern das Reizdarmsyndrom ursächlicher zu behandeln sowie Darm- und Immunsystem zu stärken, bieten sich spezifisch ausgewählte mikrobiologische Präparate (Probiotika) an.

Grund dafür ist, dass die Darmflora aus einer Reihe verschiedener Bakterien besteht, die für die Funktion des Darms und des Immunsystems eine wichtige Rolle spielen. Menschen, die an einem Reizdarmsyndrom leiden, weisen oft ein Ungleichgewicht in der Mikrobiota auf (Dysbiose), welches enorme Auswirkungen auf die Darmbarriere und das Darmnervensystem haben kann.

Wissenschaftlich untersuchte mikrobiologische Präparate können hier eingreifen und setzen damit direkter an den Auslösefaktoren des Reizdarmsyndroms an. Das hat den Vorteil, dass diese Methode einer ursächlichen Behandlung sehr nahe kommt. Geeignete mikrobiologische Präparate setzen also nicht nur an den einzelnen Symptomen an, sondern können mehrere Reizdarm Symptome gleichzeitig lindern.

Ernährung bei Reizdarm – was gilt es zu beachten?

Wie bei fast jeder Erkrankung des Magen-Darm-Traktes kann man auch bei einem Reizdarm mit der richtigen Ernährung einiges bewirken. Obwohl der Darm sich gegen viele Lebensmittel zu wehren scheint, müssen Sie im Grunde gar nicht auf so vieles verzichten – wichtig ist es, die richtigen Lebensmittel in den Speiseplan zu integrieren. Was Sie bei einem Reizdarm essen können und worauf Sie sonst noch achten sollten, erfahren Sie hier.

Tipp: schreiben Sie ein Ernährungstagebuch

Da jeder Mensch unterschiedlich auf Lebensmittel reagiert, ist es im Zusammenhang mit einem Reizdarm empfehlenswert, den Überblick über die tägliche Nahrung zu behalten. Ein Reizdarm Ernährungstagebuch kann Ihnen dabei verhelfen, mögliche Zusammenhänge zwischen Ihrer Ernährung und den Beschwerden des Reizdarms leichter zu erkennen .

In Ihrem Ernährungstagebuch sollten Sie Mahlzeiten, Aktivitäten und Beschwerden dokumentieren. Vielleicht entdecken Sie selbst schon einen Zusammenhang zwischen der Ernährung und den Problemen, die Ihnen zu schaffen machen. Auf jeden Fall ist das Reizdarm-Tagebuch eine wichtige Zusatzinformation für den behandelnden Arzt. Kommt man den Auslösern auf die Spur, sollten Sie in Absprache mit dem Mediziner längere Zeit vom Verzehr absehen.

Wenn sich der Darm beruhigt hat, können Sie verdächtige Nahrungsmittel in kleinen Mengen wieder vorsichtig ausprobieren. Übrigens eignet sich ein solches Tagebuch auch, um mögliche Unverträglichkeiten aufzudecken. Sie sind bei Menschen mit Reizdarm keine Seltenheit.

Falls Sie nicht wissen, wie ein solches Tagebuch am besten zu führen ist – keine Sorge! Auf den ersten Seiten der Vorlage finden Sie eine einfache Anleitung zur Nutzung.

Reizdarm: FODMAP-arme Ernährung

Mit der richtigen Ernährung können die Symptome bei einem Reizdarm deutlich gelindert werden. Das zeigt zum Beispiel eine Studie über die sogenannte FODMAP-Diät, bei der Reizdarm-Patienten eine Verbesserung ihrer Beschwerden von bis zu 70 Prozent beschreiben.11

Bei dieser Form der Ernährung sollte man Nahrungsmittel mit hohem FODMAP-Gehalt wie Äpfel, Birnen, Weizen und Zwiebeln meiden, denn diese verschlimmern gegebenenfalls die Symptome.

Nahrungsmittel, die im Darm schneller verdaut werden, wie etwa Karotten, Salat und Aprikosen, sind dagegen zu bevorzugen. So kann bereits das Weglassen oder Vermeiden von Zuckern wie Fruktose und Sorbit bei vielen Patienten mit Reizdarmsyndrom zu einer deutlichen Verbesserung führen.

Lesen Sie jetzt mehr zum Thema „FODMAP“

Essen bei Reizdarm: Was darf auf den Ernährungsplan und was nicht?

Es gibt einige Lebensmittel, die sich als besonders verträglich oder aber als weniger bekömmlich im Rahmen der Ernährung bei einem Reizdarm erwiesen haben:

Dos – Ernährung bei Reizdarm

  • Vollkornprodukte: Vollkornnudeln und -reis, Haferflocken
  • Gemüse: Karotten, Pastinaken, Kartoffeln
  • Obst: Bananen, Himbeeren, Kiwi
  • Getränke: Wasser, ungesüßte Kräutertees
  • Milchprodukte ohne Laktose

Don‘ts – Ernährung bei Reizdarm

  • Weißmehlprodukte: Toastbrot
  • Gemüse: blähendes Gemüse wie Kohl oder Hülsenfrüchte (zum Beispiel Erbsen und Bohnen)
  • Obst: Äpfel, Birnen, Wassermelone
  • Getränke: kohlensäurehaltige Getränke, Kaffee, Alkohol
  • Zucker sowie Zuckerersatzstoffe
  • Laktosehaltige Milchprodukte

Vor allem eine ballaststoffreiche Ernährung hat sich bei einem Reizdarm bewährt. Integrieren Sie zum Beispiel Leinsamen oder aber Flohsamen in Verbindung mit ausreichender Flüssigkeitsaufnahme in den Speiseplan.

Fazit

Das Reizdarmsyndrom kann also durch eine Vielzahl von Umständen ausgelöst werden – eine konkrete Reizdarm Ursache gibt es nicht. In den letzten Jahren wurde besonders der psychische Einfluss als Ursache des Reizdarms fokussiert. So unterschiedlich die Ursache sein kann, so variabel ist auch die Symptomatik. Von Bauchschmerzen und Blähungen, über Erbrechen und Übelkeit, bis hin zu Verstopfung und Durchfall – die Symptome eines Reizdarms sind vielfältig. Eine Therapie mit mikrobiotischen Präparaten, wie Innovall® RDS, bietet Unterstützung für eine gesunde Darmflora. Ebenfalls empfiehlt sich eine begünstigende Ernährung bei Reizdarm sowie leichter Sport wie Yoga.

FAQ

Was kann man gegen Reizdarm tun?

Neben der medikamentösen Behandlung der Leitsymptome Bauchschmerzen, Blähungen, Duchfall der Verstopfung haben Studien gezeigt, dass es weitere Maßnahmen gibt etwas gegen den Reizdarm zu tun. Dazu gehören u.a.: Der probiotische Bakterienstamm Lactobacillus plantarum 299v, Lösliche Ballaststoffe (Flohsamenschalen), Yoga, Stressabbau, Hypnose, Akupunktur, Körperliche Aktivität und ein regulierter Tagesablauf.

Welche Beschwerden hat man bei einem Reizdarm?

Das Reizdarmsyndrom ist eine Funktionsstörung des Darms mit typischen und andauernden Symptomen, die auch im Wechsel auftreten können:

  • Bauchschmerzen, Druckgefühl und Völlegefühl
  • Blähbauch und Blähungen
  • Durchfall oder Verstopfung, oft auch beides im Wechsel
  • Gefühl der unvollständigen Darmentleerung
  • Gesteigerter Stuhldrang

Was sollte man bei Reizdarm nicht essen?

Es gibt einige Lebensmittel, auf die man im Rahmen der Ernährung bei einem Reizdarm verzichten sollte. Dazu gehören:

  • Weißmehlprodukte: z.B. Toastbrot
  • Gemüse: blähendes Gemüse wie Kohl oder Hülsenfrüchte (z.B. Erbsen, Bohnen)
  • Obst: z.B. Äpfel, Birnen, Wassermelone
  • Getränke: kohlensäurehaltige Getränke, Kaffee, Alkohol
  • Zucker sowie Zuckerersatzstoffe
  • Laktosehaltige Milchprodukte

Wie kommt es zu einem Reizdarm?

Die genauen Auslösefaktoren des Reizdarmsyndroms waren lange Zeitunklar. Inzwischen deuten immer mehr Forschungsergebnisse darauf hin, dass die Ursachen des Reizdarmsyndroms nicht nur psychosomatisch sind. Ein zentraler Aspekt ist auch ein gestörtes Darm-Mikrobiom (medizinisch: eine Dysbiose) bzw. eine geschädigte Darmbarriere. Auslöser für eine Dysbiose sind u.a.:

  • Darminfektionen
  • Antibiotika-Behandlung
  • Operation
  • längere Medikamenteneinnahme
  • Stress
  • ungünstige Essgewohnheiten
  • körperliche Belastung

Wo hat man Schmerzen bei Reizdarm?

Am häufigsten klagen Reizdarm-Betroffene über unklare Bauchschmerzen. Das heißt, die krampfartigen, ziehenden oder stechenden Schmerzen treten nicht an einer bestimmten Stelle im Bauch sondern im gesamten Bauch auf. Auch ein Druckgefühl im Unterbauch oder Oberbauch kann auftreten. Die Schmerzen bei Reizdarm-Betroffenen bessern sich oft mit dem Toilettengang und sie treten meist nicht in der Nacht auf. Als Ursache hierfür vermuten Ärzte eine gestörte Schmerzwahrnehmung und –verarbeitung zwischen Darm und Gehirn.

Welcher Arzt hilft bei Reizdarm?

Für die Diagnose von Reizdarm existiert bislang kein einfacher Test und aufgrund der Fülle an Ursachen und Triggern dauert es meist längere Zeit und Geduld um andere Krankheiten auszuschließen. Um einen Ärztemarathon zu vermeiden, empfiehlt es sich bei Verdacht direkt an einen Arzt zu wenden, der sich auf das Reizdarmsyndrom spezialisiert hat.

Reizdarm Ernährung

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