Was ist der Unterschied
zwischen Zöliakie und
Glutenunverträglichkeit?
Wenn Menschen ihren Verdauungsbeschwerden auf den Grund gehen, stoßen sie schnell auf sehr viele verschiedene Begrifflichkeiten: Zöliakie, Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität, Glutenunverträglichkeit, Weizenallergie, Weizenunverträglichkeit, Glutenintoleranz oder auch Weizenintoleranz. Die Verwirrung ist beinahe vorprogrammiert, denn die Bezeichnungen können Betroffene meist nicht auf Anhieb auseinanderhalten.
Wir verraten Ihnen heute, was die richtigen Bezeichnungen und die Unterschiede sind, und wann Beschwerden wie Bauchschmerzen, Völlegefühl, Verstopfung und Durchfall auftreten.
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Beschwerden nach dem Verzehr von z. B. Brötchen, Nudeln oder Toast? Das kann verschiedene Ursachen haben!
Oft wird einfach von einer Gluten-oder Weizenunverträglichkeit gesprochen. Eine Unverträglichkeit ist im Allgemeinen aber nur die übergeordnete Bezeichnung, das nach dem Verzehr von bestimmten Lebensmitteln Beschwerden auftreten. Dahinter können aber ganz verschiedene, spezifische Krankheitsbilder stecken. Dazu gehören:1
- Zöliakie: Das Klebeeiweiß Gluten, das in vielen Getreidesorten enthalten ist, triggert bei Zöliakie-Patienten eine Autoimmunreaktion, die sich meist gegen die eigenen Zellen der Dünndarmschleimhaut richtet
- Weizenallergie: Betroffene reagieren mit einer IgE-vermittelten allergischen Reaktion auf Eiweiße des Weizens
- Gluten- oder Weizensensitivität (medizinisch: Nicht-Zöliakie Gluten-/Weizensensitivität): Bestimmte, individuell unterschiedliche, Mengen an Gluten oder Weizen verursachen bei Betroffenen Beschwerden, obwohl keine allergische oder autoimmune Reaktion nachweisbar ist
Was ist eine Weizenallergie?
- Ekzeme
- Tränende Augen
- Kreislaufbeschwerden
- Magenbeschwerden, Bauchschmerzen
- Triefende Nase
- Asthmatische Beschwerden
- Anaphylaktischer Schock
- Durchfall
Was ist Gluten-Sensitivität / Gluten-Intoleranz bzw. Weizen-Sensitivität/ Weizen-Intoleranz?
- Blähungen
- Durchfall
- Kopfschmerzen
- Bauchschmerzen
- Müdigkeit
- Muskel- und Gelenkschmerzen
- Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Glutensensitivität
- Nicht-Zöliakie-Gluten/weizen-Sensitivität (kurz: NCGS/NCWS für Non-Coeliac Gluten/Wheat Sensitivitiy)
- Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität
- Nicht-Zöliakie-bedingte Glutensensitiviät
- Zöliakieunabhängige Weizenempfindlichkeit
Was ist Zöliakie?
Sie haben eine Scheibe Brot gegessen und einige Stunden später geht es los: Bauchkrämpfe, Durchfall und Blähungen. Das können die Symptome sein, wenn Sie Brot nicht vertragen. Aber auch die Anzeichen einer Weizenallergie oder Gluten-Sensitivität/ Weizen-Sensitivität können denen einer Zöliakie durchaus ähneln. Die Unterschiede und wie Sie Weizenallergie-Symptome von einer Zöliakie unterscheiden lauten wie folgt:
Typische Zöliakie-Symptome können sein:
- Wachstumsstörungen im Kindesalter
- Bauchschmerzen
- Übelkeit
- Muskelschmerzen
- Müdigkeit
- Chronische Durchfälle
- Blähungen
- Mineralstofffmangel
- Muskel-, Knochen- und Gelenkschmerzen
- Migräne
Man geht inzwischen davon aus, dass eine Zöliakie nur dann auftritt, wenn gewisse genetische Voraussetzungen erfüllt sind. Denn Eltern, Kinder und Geschwister von Zöliakie-Patienten sind häufig ebenfalls betroffen. Bei Zöliakie-Patienten kann man immer eine von zwei bestimmten Varianten der Humanen-Leukozyten-Antigen (HLA) Gene nachweisen. Es handelt sich um die Varianten HLA-DQ2 oder DQ8.8
Wichtig: Das Vorhandensein dieser HLA-Varianten alleine löst aber noch keine Zöliakie aus – nur etwa 2 % der Träger entwickeln eine Zöliakie. Daher geht man davon aus, dass neben der genetischen Veranlagung viele weitere Umweltfaktoren eine Rolle bei der Entstehung einer Zöliakie spielen. Genaue Auslöser sind bisher nicht bekannt. Es wird jedoch vermutet, dass Stress, Infektionen und die Dauer der Stillzeit eine Rolle spielen, oder aber der Zeitpunkt des ersten Kontaktes von Kindern mit Gluten.2,4 Eine Störung des Immunsystem soll die Krankheitsentstehung ebenfalls fördern.4
Gut zu wissen!
Die Zöliakie betrifft nicht, wie häufig vermutet, nur den Darm. Viele Systeme im Körper können von der Zöliakie in Mitleidenschaft gezogen werden. Genau deshalb leiden viele Patient*innen nicht nur unter den klassischen Bauchbeschwerden, sondern beispielsweise auch unter Migräne.
Die Zöliakie in Zahlen
Weltweit geht man davon aus, dass in etwa jeder 100. (Einwohner) (1 %) von Zöliakie betroffen ist, davon die meisten in Europa.6,5 Das ist zwar deutlich seltener als das Auftreten eines Reizdarmsyndroms oder einer Divertikelkrankheit, aber Studien zeigen, dass die Fallzahlen in den letzten Jahren stark nach oben geschnellt sind – damit ist eine Zöliakie scheinbar deutlich häufiger als früher vermutet.6 Weizen und andere glutenhaltige Getreide werden weltweit konsumiert, sowohl in Industrie- als auch in Entwicklungsländern. Es gibt jedoch vermutlich eine hohe Dunkelziffer unentdeckter Fälle von Zöliakie, da sich die Symptome schleichend entwickeln und die Zöliakie auch durch die große Bandbreite an Beschwerden häufig lange unerkannt bleibt. Die verstärkte Verbreitung glutenhaltiger Lebensmittel und die verbesserte Zöliakie-Diagnose haben schnell zu einem starken Anstieg der Zöliakie-Prävalenz geführt.
Auch eine Zöliakie bei Kindern ist nicht selten
Obwohl die Prävalenz der Zöliakie bei Personen unter 60 Jahren (1,8 %) etwas höher war als bei Personen über 60 Jahren (1,0 %), fanden die Wissenschaftler*innen keinen Zusammenhang zwischen dem Alter und der Entwicklung einer Zöliakie. Eine Zöliakie kann also in jedem Lebensalter entstehen.2 Laut der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft kann sich eine Zöliakie aber erst dann zeigen, wenn Gluten den Weg mit der Beikost in die Nahrung gefunden hat. Deshalb entwickelt sich die Erkrankung frühestens mit drei Lebensmonaten. Betroffene Babys erhalten das Gluten dann meist über Vollkornbrei oder Grießbrei. Tritt die Zöliakie bereits im frühen Lebensalter auf, können Eltern typische Symptome wie Gedeihstörungen, Appetitlosigkeit, Durchfälle und Erbrechen beobachten. Kinder mit Zöliakie haben außerdem oft Probleme mit der Gewichtszunahme und können weinerlich sein.1
Wichtig: Je älter das Kind, desto unkonkreter werden meist die Symptome – ein ausgeprägter Eisenmangel, Kopfschmerzen oder eine verspätete Pubertätsentwicklung können ebenfalls auf eine Zöliakie hindeuten.1
Was sind Zöliakie Symptome?
Egal ob bei Zöliakie, Weizenallergie oder Gluten/Weizensensitivität (Gluten-Intoleranz, Weizen-Intoleranz), das Klebereiweiß Gluten spielt bei allen Erscheinungen häufig eine Rolle. Bei der Weizenallergie oder Gluten/Weizensensitivität (Gluten-Intoleranz, Weizen-Intoleranz) können aber allerdings auch andere Auslöser wie Albumin, Globulin oder FODMAPs infrage kommen.
Folgende Magen-Darm-Symptome können bei einer Zöliakie auftreten:2
- Durchfall (häufigstes Magen-Darm-Symptom)
- Blähungen
- Bauchschmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
- Verstopfungen
- Appetitlosigkeit oder ständiger Hunger
Das Tückische ist also, dass Zöliakie-Symptome nicht immer zweifelsfrei der Erkrankung zugeordnet werden können. Sie sind den Symptomen einer Gluten-Sensitivität oder Symptomen einer Weizenallergie unter Umständen sehr ähnlich. Hinzu kommt, dass versteckte Zöliakie-Symptome wie Müdigkeit, Hautveränderungen oder erhöhte Leberwerte die Zöliakie-Diagnose erschweren.
Trotzdem sollten die Beschwerden immer ernst genommen werden und die Diagnostik auf eine potenzielle Weizenallergie und Zöliakie erfolgen. Denn die Beschwerden beeinträchtigen den Alltag oft stark. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich Betroffene um ihre Gesundheit sorgen.
Gut zu wissen!
Bei unklaren Magen-Darm-Beschwerden muss zunächst immer eine Diagnostik auf die eindeutig nachweisbaren Erkrankungen Weizenallergie und Zöliakie erfolgen. Ein Test auf Glutenintoleranz ist die logische Konsequenz. Sind die Ergebnisse der Zöliakie- und Weizenallergiediagnostik negativ und treten die typischen Beschwerden dennoch nach dem Verzehr von glutenhaltigen Lebensmitteln auf, dann spricht man von einer Glutensensitivität. Einen einfachen Test für diese Erkrankung gibt es nicht, auch da Betroffene sehr unterschiedliche Mengen an Gluten noch ohne Beschwerden tolerieren. Hier gilt es durch langsames Herantasten, diese individuelle Schwelle auszuloten und die Ernährung dementsprechend anzupassen.9
Zöliakie-Behandlung
Zöliakie ist nicht heilbar. Die einzige wirksame Therapie besteht darin, glutenhaltige Lebensmittel zukünftig konsequent zu meiden.2 Patienten mit unbehandelter Zöliakie können aufgrund der chronischen Entzündung im Dünndarm und der verringerten Aufnahme von Kalzium und/oder Vitamin D, eine Osteoporose entwickeln, was das Risiko für Knochenbrüche erhöht.6
Die gute Nachricht ist: wenn sich Zöliakie-Patient*innen strikt an eine glutenfreie Diät halten, beeinflusst die Zöliakie die Lebenserwartung keineswegs negativ.
Wichtig ist, dass selbst Spuren von Gluten kritisch werden können. Die tägliche aufgenommene Menge sollte weniger als 10 mg Gluten (entspricht etwa ein paar Krümel Toast) sein.
Achtung!
Die Kennzeichnung „Glutenfrei“ auf Lebensmitteln bedeutet in Deutschland, dass diese Lebensmittel maximal 20 mg pro Kilogramm (=20 ppm) enthalten dürfen. Es dürfen also immer noch Spuren von Gluten enthalten sein.
Was essen bei Zöliakie?
Nach einem Zöliakie-Test bzw. Glutenintoleranz-Test ist es wichtig, die Ernährung an die Zöliakie anzupassen. Eine speziell ausgerichtete Ernährung empfiehlt sich auch bei einer Weizenallergie oder Gluten/Weizensensitivität. Bei diesen beiden Erkrankungen, aber auch Zöliakie, kommt es oft zu einer ungewollten Gewichtsabnahme und den Betroffenen liegen eine Gewichtszunahme und die Vermeidung von Mangelernährung am Herzen. Zöliakie-Betroffene sollten auf Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Kamut, Emmer, Einkorn, Grünkern und andere glutenhaltige Produkte komplett verzichten. Die folgende Tabelle zeigt Ihnen Lebensmittel, die glutenfrei und daher bei einer Zöliakie empfehlenswert sind.
| Produktgruppe | Produkte |
| Brot, Backwaren und Müsli |
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| Beilagen |
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| Brotaufstriche |
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| Obst | alle frischen, tiefgekühlten oder konservierten Obstsorten (Achtung bei Zusatzstoffen: Wasser, Ascorbinsäure, Zucker sind erlaubt) |
| Gemüse | alle frischen, tiefgekühlten oder konservierten Gemüsesorten, (Achtung bei Zusatzstoffen: Wasser, Salz, Zucker sind erlaubt) |
| Nüsse und Samen | nur unverarbeitete Nüsse, Mandeln und Samen |
| Fisch und Meeresfrüchte |
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| Wurstwaren und Fleisch | Naturbelassenes, ungewürztes Fleisch |
| Milch und Milchprodukte |
|
3 Tipps für die Zöliakie-Ernährung
Gerade zu Anfang ist die Verunsicherung oft groß. Keine Frage, sich glutenfrei zu ernähren ist zunächst eine wesentliche Umstellung. Die gute Nachricht: viele Lebensmittel sind von Natur aus glutenfrei – einige Hersteller bieten außerdem glutenfreie Backwaren und Co. an. Zudem können sich Betroffene bei der deutschen Zöliakie-Gesellschaft viele Tipps für die eigene Zöliakie-Ernährung holen.7
Wenn Sie sich glutenfrei ernähren müssen, sollten Sie auf Folgendes achten:
- Greifen Sie zu einer nährstoffreichen und gemüsebetonten Kost, um eventuellen Nährstoffdefiziten entgegenzuwirken.
- Gerade zu Anfang kann es sinnvoll sein, auf sehr fetthaltige Speisen oder Milchprodukte mit Laktose zu verzichten – das gibt der Darmschleimhaut Zeit, sich zu erholen.8
- Achten Sie auf eine strikte Vermeidung von Gluten, auch bei der Lagerung oder Zubereitung von Speisen. Ernährt sich jemand im Haushalt nicht glutenfrei, sollten Sie einen zusätzlichen Toaster und eigene Backformen nutzen. Die Menge von 10 mg Gluten am Tag sollte nicht überschritten werden.8
Ein Innobioticum kann bei Zöliakie wichtige Arbeit leisten
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