Neurodermitis bei Baby & Kleinkind – Symptome und vorbeugenden Maßnahmen
Bei Neurodermitis, auch als atopisches Ekzem oder Atopische Dermatitis bezeichnet, handelt es sich um eine Hauterkrankung. Typisch sind die entzündlich verlaufenden Schübe. Baby, Kleinkind und Erwachsener – alle Altersstufen können von der Erkrankung betroffen sein, am häufigsten sind es jedoch die Kleinen. Besonders quälend ist beim Kleinkind der Juckreiz Nachts. Wir verraten, wie sich Neurodermitis beim Baby oder Kleinkind erkennen lässt, wie sie behandelt wird und welche Rolle Probiotika einnehmen.
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Neurodermitis bei Baby & Kleinkind: Symptome
- In der akuten Phase ist die Haut gerötet und ausgeprägter Juckreiz liegt vor. Die entzündeten Hautareale können auch mit Bläschen übersät sein, die nässen.
- Ist die akute Phase überwunden, nimmt die Haut allmählich ihren natürlichen Hautton wieder an, die Rötungen werden blasser. In dieser Phase ist die Haut sehr trocken und pellt sich leicht.
Typische allgemeine Symptome bei einer Neurodermitis
- Trockene Haut
- Rötung der Haut
- Schuppung der Haut
- Juckreiz
- Papeln (Knötchen unter der Hautoberfläche)
- Nässende Ekzeme
Diese Hautareale sind bei Kindern besonders betroffen
Typische Neurodermitis Hautregionen beim Baby sind:
- Gesicht (v. a. Wangen)
- Außenseiten der Arme und Beine
- Windelbereich ist meist ausgespart
- Seltener auf Rücken, Bauch und Brust
Typische Neurodermitis Hautregionen bei älteren Kindern, ab ca. zwei Jahren:
- Arm-Vorderseite
- Rückseite der Beine
- Hände und Füße, v. a. an den Gelenken
- Augenlider
- Hals
Typische Neurodermitis Hautregionen bei Jugendlichen und Erwachsene:
- Ellenbeugen
- Kniekehlen
- Hände
- Füße
- Nacken
Gut zu wissen!
Milchschorf bei Säuglingen kann – muss aber nicht – ein erster Hinweis für eine mögliche Veranlagung zu Neurodermitis sein. Er tritt meist nach dem dritten Lebensmonat ein (v. a. an Kopf und Gesicht).
Der Juckreiz-Kratz-Teufelskreis
Auch für die Eltern kann das Kratzen des Kindes belastend sein.
Es ist daher besonders wichtig den Teufelskreislauf zu durchbrechen, indem man:
- täglich die Hautbarriere stärkt
- Juckreiz-Verursacher und Stress für Kind und Familie vermeiden
- den Juckreiz sofort lindert
Neurodermitis bei Baby & Kleinkind: Ursache
- Die verschiedenen Barrieren, die uns vor der Außenwelt schützen, sind bei den Betroffenen häufig gestört. Das hat zur Folge, dass Allergene leichter in den Körper eindringen und mit den Immunzellen in Kontakt treten können.
- Im Körper der Betroffenen sind vermehrt entzündungsfördernde Immunzellen aktiviert. Das unausgeglichene Immunsystem reagiert extrem schnell über und löst dadurch allergische Reaktionen wie Juckreiz, Hautrötungen, Entzündungen, Niesen oder Verengung der Bronchien aus.
Bei der gestörten Hautbarriere gehen Expert*innen davon aus, dass der Mangel an einem Protein namens Filaggrin ein erheblicher Risikofaktor für die Entstehung von Neurodermitis ist. Filaggrin ist notwendig für die Bildung der Oberhaut. Der vererbte oder erworbene Filaggrin-Mangel verursacht eine veränderte Zusammensetzung der Hautfette.
Die Folge: die Haut verliert mehr Wasser und trocknet leichter aus. Durch die poröse Hautbarriere existiert kein Schutz mehr vor hautreizenden Allergenen.6 Allerdings entwickelt nicht jeder mit den genetischen Voraussetzungen eine Neurodermitis. Die entzündliche Hauterkrankung tritt meist auf oder verschlimmert sich, wenn weitere Faktoren hinzukommen.2
Dazu zählen:2
- Allergene aus der Umwelt (z.B. enthalten in Hausstaub, Pollen, Nahrungsmitteln)
- Infektionen mit Pilzen, Bakterien oder Viren
- mechanische Reize durch Chemikalien oder störende Kleidung
- hohe oder kalte Temperaturen
- psychische Faktoren wie Stress oder Aufregung
Neurodermitis beim Baby: Stillen senkt das Risiko
>> Lesen Sie hier mehr zur Neurodermitis-Ernährung
Gut zu wissen!
Die Neurodermitis-Ernährung bei Babys und Kleinkindern nimmt auch im weiteren Lebensverlauf einen wichtigen Stellenwert ein. Es sollte immer auf eine ausgewogene Ernährung geachtet werden. Denn Nahrung kann einen Einfluss auf das Alter bei Beginn der Erkrankung und den Schweregrad der Ekzeme haben. Darüber hinaus deuten Studien darauf hin, dass ein früher Kontakt mit Allergenen einen Schutz vor späterer Sensibilisierung bieten könnte. Zur Neurodermitis-Vorsorge sind Milchprodukte, Omega-3-Fettsäuren (Fisch) und eine probiotische Lebensmittel an. Gerade die frühe Einführung von Fisch in der Beikost kann das Risiko für Babys an Neurodermitis zu erkranken verringern.9
Welche Creme bei Neurodermitis beim Baby?
In jedem Fall ist es wichtig die spröde Hautbarriere der Kinder dauerhaft zu pflegen. So können Schübe im ersten Schritt gut verhindert werden. Die richtige Auswahl einer Neurodermitis Baby /Kleinkind-Creme ist bei der entzündlichen Hauterkrankung besonders wichtig. Kommt es zu einem Ausschlag beim Baby, hilft die Basispflege dabei, die poröse oder trockene Haut mit Feuchtigkeit zu versorgen und sie so vor eindringenden Allergenen zu schützen. Diese rückfettenden Lotionen, Cremes oder Salben sollten täglich angewendet werden und am besten keine reizenden Substanzen oder Duftstoffe enthalten.
Bei schlimmen Schüben können in Abstimmung mit Kinderärzt*innen Medikamente zur Linderung des Juckreizes und der Entzündung eingesetzt werden (z. B. Kortison). Bei einer stark ausgeprägten Neurodermitisgibt es auch Wirkstoffe, die das Immunsystem beeinflussen und so die Reaktion der Haut abmildern (mmunmodulatoren). Insbesondere bei Babys ist eine sehr behutsame Behandlung nötig. Bis zum Ende des 12. Lebensjahres übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Medikamente.10
Übrigens: Harnstoff (Urea) wird gerne in Cremes verarbeitet, da er die Haut vor dem Austrocknen schützen kann. Für Säuglinge empfiehlt sich eine solche Creme aber nicht, da eine Störung der Nierenfunktion möglich ist. Die Kleinkind-Pflege-Creme sollte nur eine geringe Urea-Konzentration enthalten.11
Neurodermitis bei Baby & Kleinkind: Hausmittel
- Die Heilpflanzen Mahonia aquifolium (Mahonie), Centella asiatica (Tigergras) und Viola tricolor (wildes Stiefmütterchen) werden wegen ihrer entzündungshemmenden, wundheilenden bei Neurodermitis geschätzt und stillen den Juckreiz (z.B. im homöopathischen Arzneimittel Ekzevowen® derma Creme).
- Nachtkerzenöl und Traubenkernöl enthalten Omega-6-Fettsäuren und beruhigen und festigen die geschädigte Hautbarriere.
- fettfeuchte Verbände oder Umschläge mit schwarzem Tee oder Kamillentee
- Quakwickel: Die Milchsäure spendet Feuchtigkeit und fettet die Haut. Kalte Wickel lindern den Juckreiz und wirken entzündungshemmend.
- Babys nicht länger als 5-10 Min baden.
- Niedrige Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit.
- Basispflege vor dem Eincremen kühlen.
- Atmungsaktive Kleidung, Nähte nach außen.
- Fingernägel regelmäßig schneiden oder zum Schlafen Baumwollhandschuhe.
- Keinen Weichspüler verwenden.
- Viel Spielen und vom Juckreiz ablenken
Neurodermitis beim Kind: Psychisch eine Herausforderung
Welche Rolle spielt die Psyche bei Neurodermitis noch?
Wenn Neurodermitis-Betroffene, die sowieso schon von Haus aus zu einer Überreaktion des Immunsystems neigen, psychischen Strapazen ausgesetzt werden, können starke Schübe erst recht nicht mehr zurückgehalten werden.14
Gut zu wissen!
Ob Prüfungsangst oder die Vorfreude auf eine Reise: Auch positiver Stress kann Schübe auslösen.
Gutes tun für die Psyche bei Neurodermitis
Neurodermitis vorbeugen bei Babys und Kleinkindern
Die aktuelle deutsche Leitlinie „Allergieprävention“ empfiehlt:17
- ungünstige psychosoziale Faktoren (z. B. schwerwiegen Lebensereignisse) während der Schwangerschaft und Kindheit vermeiden
- Kaiserschnitt, wenn möglich, vermeiden: Kaiserschnitte gehen bei den Kindern insbesondere mit einem erhöhten Risiko für Asthma einher. Ursache ist vermutlich die mangelnde Stimulation des kindlichen Immunsystems durch die Bakterien im natürlichen Geburtskanal.
- in der Schwangerschaft oder für das Baby nach der Geburt
- Vollstillen in den ersten 4 Lebensmonaten: falls nicht möglich, bei Risikokindern hypoallergene Säuglingsnahrung
- Fischkonsum während der Schwangerschaft und Stillzeit
- Keine Verzögerung der Beikost-Einführung für Babys: am besten ab dem 5. Lebensmonat
- Fisch wird auch als Beikost für Babys empfohlen.
- Vermeiden von Tabakrauch und Luftschadstoffen im Innen- und Außenbereich (Schimmelpilz, Maler-/Renovierungsarbeiten)
- Haustierhaltung: Hundehaltung ist reduziert das Risiko für Neurodermitis und Asthma. Katzen sollten bei Risikokindern zwar besser nicht neu angeschafft werden, leben sie bereits im Haushalt ist eine Abschaffung jedoch auch nicht zwingend notwendig.
- Impfung nach STIKO-Empfehlungen
- der Konsum von viel Gemüse und Früchten (sog. mediterrane Kost)
- der Konsum von Ώ3-Fettsäuren (bzw. ein günstiges Ώ 3: Ώ 6-Verhältnis)
- der Konsum von Milchfett aus Milchprodukten
- das Aufwachsen auf einem Bauernhof
- der Besuch einer Kindertagesstätte in den ersten 2 Lebensjahren
- eine höhere Anzahl älterer Geschwister
Die aktuelle Richtlinie der World Allergy Organisation (WAO) empfiehlt speziell in folgenden Situationen Probiotika zur Vorbeugung von Neurodermitis bei Babys:18
- Ausgewählte Probiotika bei Schwangeren bei deren Kindern ein hohes Risiko besteht, eine atopische Erkrankung zu entwickeln
- Ausgewählte Probiotika bei Stillenden bei deren Kindern ein hohes Risiko besteht, eine atopische Erkrankung zu entwickeln. Man geht davon aus, dass die Übertragung von mütterlichen Antikörpern über die Muttermilch zum Kind das kindliche Immunsystem trainiert.
- Ausgewählte Probiotika bei Kindern, bei denen ein hohes Risiko besteht, eine atopische Erkrankung zu entwickeln.
Welche Probiotika können bei Neurodermitis helfen?
Das steckt hinter der Wirkung von hochqualitativen Probiotika bei Neurodermitis
Studien zeigen, dass die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms bei Neurodermits-Babys gestört ist. Die verringerte Bakterienvielfalt im Darm, die bei Patienten mit Neurodermitis festgestellt wurde, führt dazu, dass es vermehrt zu entzündungsfördernden Immunantworten kommt, denn 80% der Immunzellen sitzen im Darm und werden z. T. durch die Darmflora reguliert. Wenn die vorhandene Bakterienvielfalt gestört oder vermindert ist, kann es über ein fehlgesteuertes Immunsystem auch zu Erkrankungen der Haut kommen. Mit ausgewählten Probiotika (z.B. Innovall (R) ATOP) gibt es also, neben der äußerlichen Behandlung mit Basispflege und Cortison-Cremes, die Möglichkeit, das aus dem Gleichgewicht geratene Immunsystem natürlich aus dem Bauch heraus zu behandeln und neue Neurodermitis-Schübe bei Babys abzumildern.
Vorbeugende Maßnahmen wie Stillen und der Verzicht auf exzessive Hygiene unterstützen die kindliche Abwehrkraft ebenfalls frühzeitig. Auf dieser Grundlage werden auch spezifische mikrobiologische Präparate empfohlen, die bei Neurodermitis- oder Asthma-Kindern eine positive Wirkung gezeigt haben (z. B. Innovall (R) ATOP).21,22,23