Reizdarm und Stress: Kann die Psyche den Darm krank machen?
Kann ein Reizdarm durch psychosomatischen Stress ausgelöst werden? Hängen Stress, Reizdarm und die Psyche zusammen? Kann Durchfall durch Stress ausgelöst werden? Was kann man generell gegen Reizdarm tun? Wir klären über Reizdarm Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten auf.
Das Reizdarmsyndrom ist eine der wohl am häufigsten gestellten Diagnosen bei Erkrankungen des Bauchraums in den westlichen Industrienationen: Bis zu jeder vierte Erwachsene in Deutschland soll davon betroffen sein – Tendenz steigend.1 Nahrungsmittelunverträglichkeiten können die Ursache sein, doch häufig wird ein Reizdarm durch Stress oder psychische Probleme ausgelöst bzw. verschlimmert. Höchste Zeit, das Thema Reizdarm und seine Behandlungsmöglichkeiten einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.
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Reizdarmsyndrom: Was steckt hinter dieser Erkrankung
Beim Reizdarmsyndrom, kurz: Reizdarm, handelt es sich um eine Funktionsstörung des Darms.
Gerät unsere Darmflora, also das Mikrobiom, aus dem Gleichgewicht, leidet unsere Gesundheit – psychische Probleme können die Folge sein. Aber auch umgekehrt beeinflussen Stress und unsere Psyche den Zustand unserer Verdauung. Häufig entwickelt oder verschlimmert sich ein Reizdarm in stressigen Lebenslagen. Dazu zählen nicht nur der Stress in der Arbeit, sondern auch Probleme in der Familie, Liebeskummer, Geldsorgen und andere Ängste. Mehr Informationen zum Reizdarmsyndrom und der Diagnose können Sie hier nachlesen.
Wer ist von Reizdarm durch Stress besonders häufig betroffen?
„[…] die Anzahl der Reizdarm-Diagnosen bei jungen Menschen im Alter vom 23. bis zum 27. Lebensjahr [ist] zwischen den Jahren 2005 und 2017 um 70 Prozent gestiegen.“1
Barmer Arztreport 2019
Welche Symptome hat ein Reizdarm?
- Durchfall und / oder Verstopfung
- Bauchschmerzen
- Blähungen
- Druckgefühl
- Gefühl der unvollständigen oder dringlichen Entleerung
Reizdarm-Begleiterkrankungen: Was häufig zusammen auftritt
- Depressionen und Angststörungen
- Rückenschmerzen
- Somatoforme Störungen, also körperliche Beschwerden, die sich nicht oder nicht hinreichend auf eine organische Erkrankung zurückführen lassen, z. B. Bluthochdruck (Hypertonie)
- Schmerzen (insbesondere Bauch- und Beckenschmerzen)
- Hauterkrankungen wie Neurodermitis
- Sodbrennen
- Schleim im Stuhl
Reizdarm und Lebensqualität: Wie gefährlich ist das Reizdarmsyndrom?
Es handelt sich jedoch um eine chronische Erkrankung, die mit unterschiedlich starken Einschränkungen der Lebensqualität einhergeht: Bereits der Weg zur Arbeit, ein Treffen mit Freunden, ein Restaurant- oder ein Kinobesuch können mit einem Reizdarm zur Herausforderung werden.1 Dieser Zustand kann sehr belastend sein und wiederum neuen Stress für den Darm und psychische Belastungen für Betroffene bedeuten – ein Teufelskreis.
Reizdarm Ursachen: Warum löst Stress Reizdarm-Symptome aus?
- Leistungsdruck im Beruf,
- finanzielle Unsicherheiten,
- familiäre Konflikte oder
- emotionale Belastungen wie Trennungen.
Wie funktioniert die Darm-Hirn-Achse?
- Vom Gehirn in den Darm: Ärger und Stress können z. B. die Darmtätigkeit beeinflussen. Fast jeder kennt dieses unangenehme Bauchgefühl vor Prüfungen oder bei Liebeskummer.
- Vom Darm ins Gehirn: Bestimmte Darmbakterien produzieren zum Beispiel Propionsäure, welche eine wichtige Nahrung für Immunabwehrzellen im Gehirn (Mikrogliazellen) darstellt. Eine verringerte Propionsäure-Bildung im Darm könnte laut Studien, möglicherweise zu Krankheiten wie Multipler Sklerose beitragen.5
Wie beeinflusst chronischer Stress die Darmflora und Schmerzempfindlichkeit?
Doch damit nicht genug: Der Darm ist ein wahres Nervenbündel. Mehr als 100 Millionen Nervenzellen stehen in ständiger Verbindung mit dem Gehirn. Gesteuert wird diese Kommunikation zum Teil über die Darmbakterien selbst – sie bilden Botenstoffe, die direkt auf das Nervensystem wirken. Ist die Zusammensetzung und Vielfalt der Darmflora gestört, gerät folglich auch die Kommunikation zwischen Darm und Gehirn aus dem Gleichgewicht.
Das Ergebnis ist eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit des Darms, die Fachleute als viszerale Hypersensitivität bezeichnen: Reizdarmpatienten nehmen selbst kleinste Darmbewegungen – etwa leichte Blähungen oder normalen Stuhlgang – als Schmerz oder Druck wahr, der gesunde Menschen gar nicht bewusst erreicht. Der kleinste zusätzliche Stress reicht dann aus, um Bauchschmerzen und -krämpfe spürbar zu verschlimmern.
So entsteht ein klassischer Teufelskreis: Stress stört die Darmflora → die gestörte Darmflora verschlechtert die Darm-Hirn-Kommunikation → das macht den Darm schmerzempfindlicher → die Schmerzen erzeugen neuen Stress. Symptome wie Luft im Bauch, ein nervöser Magen oder Schleim im Stuhl können deshalb direkt psychische Ursachen haben – auch wenn der Darm organisch völlig unauffällig ist.
Reizdarm-Diagnose: Wann sollte ich zum Arzt gehen?
Reizdarm durch Stress behandeln: Was hilft bei stressbedingtem Reizdarm?
Welche Entspannungstechniken helfen beim Reizdarmsyndrom?
Wir wissen nun, dass unser Darm eng mit der Psyche zusammenhängt. Daher sollte bei der Reizdarm-Behandlung zusätzlich darauf geachtet werden, negativen Stress zu vermeiden und Entspannungstechniken wie Yoga oder autogenes Training in den Alltag zu integrieren. Auch Spaziergänge in der Natur können den Betroffenen guttun. Ziel ist, das Nervensystem im Kopf und Bauch zu beruhigen und so dem Gehirn bzw. Darm zu signalisieren: „Alles ist gut!“
Kein Wunder, dass der Darm auch „Bauchhirn“ genannt wird. Laut Studien und ärztlicher Empfehlungen können folgende Entspannungstechniken beim Reizdarmsyndrom helfen:5,7
- Yoga
- Autogenes Training
- Tau-Chi
- Qigong
- Akupunktur
- Darmbezogene Hypnose
- Fußreflexzonenmassage
- Achtsamkeits-basierte Therapien
- Kognitive Verhaltenstherapie
- Imaginationsübungen
Ernährung bei Reizdarm durch Stress: Was sollte ich essen – und was meiden?
Homöopathie bei Reizdarm: Gibt es wissenschaftliche Belege?
Probiotika bei Reizdarm durch Stress: Welche Bakterienstämme sind klinisch belegt?
Das Reizdarmsyndrom wird in der aktuellen deutschen S3-Leitlinie der Gastroenterologen (DGVS, 2021) erstmals offiziell als „Erkrankung der Darm-Hirn-Achse" eingestuft – und genau dort setzt der Milchsäurebakterium Lactobacillus plantarum 299v (LP299V®) an. Er ist einer der weltweit am häufigsten erforschten Probiotika-Stämme und wurde in über 170 wissenschaftlichen Publikationen untersucht – darunter mehr als 60 klinische Studien am Menschen.8,9,10,11,12
Kein Wunder, dass die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) diesen Bakterienstamm in ihre Leitlinien zur Behandlung des Reizdarmsyndroms aufgenommen haben.8 L. plantarum 299v – nicht nur eine Wohltat für den Darm, sondern auch für unsere Psyche.
Gestörte Darmbewegungen sind ein Kernsymptom des Reizdarms. In einer Labor-Studie zeigte L. plantarum 299v (LP299V®), dass er die Darmtransitzeiten normalisieren kann. Zudem kann chronischer Stress die Darmwand durchlässiger machen (Stichwort: „Leaky Gut"). LP299V® unterstützt die sogenannten Tight Junctions – die „Fugen" zwischen den Darmzellen – und trägt durch die Bildung kurzkettiger Fettsäuren zur Erneuerung des Darmepithels bei. All diese Mechanismen setzen direkt an den Stellen an, an denen das Zusammenspiel zwischen Darm und Gehirn entgleist – und das macht L. plantarum 299v zu einem Ansatz, der nicht nur Symptome adressiert, sondern an den zugrundeliegenden Pathomechanismen ansetzt.
Die klinische Datenlage zu L. plantarum 299v bei Reizdarmsyndrom ist im Bereich der Probiotika ungewöhnlich umfangreich.8,9,10,11,12 Dabei hat sich gezeigt, dass neben Bauchschmerzen auch die typischen Symptome wie Stuhlunregelmäßigkeiten und Blähungen nachweislich gebessert wurden. Besonders bemerkenswert im Kontext von Stress und Darm-Hirn-Achse: Das psychische Wohlbefinden der Teilnehmer verbesserte sich über die zwölf Wochen signifikant um +110 % – ein Hinweis darauf, dass sich die Wirkung auf den Darm auch auf die Psyche zurückspiegelt.11 Der Wirkeffekt zeigte sich dabei unabhängig vom individuellen Reizdarmtyp (Durchfall-dominanter, Verstopfungs-dominanter oder gemischter Typ. L. plantarum 299v – nicht nur eine Wohltat für den Darm, sondern auch für unsere Psyche.
- Grobe et al. BARMER: Arztreport 2019. Schriftreihe zur Gesundheitsanalyse. Band 14
- https://www.apotheken-umschau.de/Reizdarm
- https://www.aerzteblatt.de/archiv/25276/Das-Reizdarmsyndrom-Definition-Diagnosesicherung-Pathophysiologie-und-Therapiemoeglichkeiten
- Klinische Leitlinie Funktionelle Körperbeschwerden. Deutsches Ärzteblatt. Jg. 116. Heft 33–34.2019
- Haghikia et al. Dietary Fatty Acids Directly Impact Central Nervous System Autoimmunity via the Small Intestine. Immunity. 2015;43(4):817-29. PMID: 26488817
- Enders, Giulia (2019): „Darm mit Charme“, S. 146, Ullstein Verlag: 11. Auflage
- Layer et al. Update S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) – Juni 2021 – AWMF-Registriernummer: 021/016. Z Gastroenterol. 2021;59(12):1323-1415. German. PMID: 34891206
- Ducrotté et al. Clinical trial: Lactobacillus plantarum 299v (DSM 9843) improves symptoms of irritable bowel syndrome. World J Gastroenterol. 2012;18(30):4012-8. PMID: 22912552
- Nobaek et al. Alteration of intestinal microflora is associated with reduction in abdominal bloating and pain in patients with irritable bowel syndrome. Am J Gastroenterol. 2000;95(5):1231-8. PMID: 10811333
- Niedzielin et al. A controlled, double-blind, randomized study on the efficacy of Lactobacillus plantarum 299V in patients with irritable bowel syndrome. Eur J Gastroenterol Hepatol. 2001;13(10):1143-7. PMID: 11711768
- Krammer et al. Reizdarmbehandlung mit Lactobacillus plantarum 299v: Längere Einnahme verstärkt Behandlungserfolg – Ergebnisse einer nichtinterventionellen Studie [Treatment of IBS with Lactobacillus plantarum 299v: Therapeutic success increases with length of treatment - real-life data of a non-interventional study in Germany]. Z Gastroenterol. 2021;59(2):125-134. German. PMID: 33556972
- Nordström et al. Lactiplantibacillus plantarum 299v (LP299V®): three decades of research. Benef Microbes. 2021;12(5):441-465. PMID: 34365915
- IQVIA, IMS® Diagnosis Monitor (Verordnungen GKV, PKV und Grüne Rezepte gemäß ICD-Code K58)
Häufige Fragen zu Reizdarm und Stress (FAQ)
Psychosomatischer Durchfall wird durch psychische oder emotionale Faktoren ausgelöst und kann oft eine Herausforderung darstellen, da die körperlichen Symptome eng mit dem emotionalen Zustand verbunden sind. Die Behandlung von psychosomatischem Durchfall zielt darauf ab, sowohl die emotionalen als auch die physischen Aspekte anzugehen. Folgende Ansätze, können helfen:
- Stressmanagement
- Psychologische Unterstützung
- Entspannungstechniken
- Gesunde Ernährung
- Bewegung
- Unterstützung durch soziales Netzwerk
Wenn psychosomatischer Durchfall anhält und Ihre Lebensqualität beeinträchtigt, ist es ratsam, professionelle Unterstützung von einem Psychologen, Therapeuten oder Arzt zu suchen.